Religion und Gewalt
Auf ein Wort
Artikel vom: 20.01.2012
Immer wieder hören wir von Gewalt und Terror im Namen der Religion. Erst in den letzten Wochen erreichten uns Nachrichten von Übergriffen auf christliche Kirchen im Norden Nigerias mit vielen Toten. Was religiöse Fanatiker mancherorts anrichten, weckt Bestürzung und Angst. Leider hat auch die Christenheit ihre dunklen Kapitel, etwa den immer noch schwelenden Konfl ikt in Nordirland. Andererseits lassen sich viele Beispiele fi nden, wie der Glaube Solidarität und Mitgefühl geweckt hat. Manche setzen ihr ganzes Leben ein, um anderen zu helfen. Namen wie Albert Schweitzer oder Mutter Theresa bleiben unvergessen. Wie kommt es, dass Glaube die einen zu Wohltätern, andere aber zu Mördern machen kann? Religion hat zum Inhalt, was für Menschen das Höchste und Wichtigste ist. Deswegen kann sie zu höchstem Einsatz motivieren. Das gilt übrigens auch für Weltanschauungen, die sich selbst nicht als religiös verstehen. Auch die kommunistische Idee hat Menschen bewegt, dafür zu sterben – und dafür zu töten. Immer wieder hat der Versuch, Glück und Frieden auf der Welt herbei zu zwingen, zu Verbrechen geführt. Jesus von Nazareth wurde einmal gefragt, was das höchste Gebot Gottes sei. Seine Antwort: „Liebe Gott – und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Zum Glauben gehört für ihn die Nächstenliebe. Ein Glaube, der diesem Maßstab folgt, kann sich niemals gegen Menschen richten. So sehr die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit auch im christlichen Glauben verankert ist – Zwang und Gewalt sind keine tauglichen Mittel dafür. Aber die Liebe ist für Jesus auch nicht möglich ohne Glauben. Menschlichkeit braucht den Respekt vor etwas, das größer ist als wir selbst. Wenn jemandem nichts heilig ist, tritt er auch die Rechte der Menschen mit Füßen. Gar nichts glauben ist keine Lösung. Jeder Mensch vertraut auf irgendjemand oder irgendetwas. Es kommt immer darauf an, was wir glauben – und wem.
Martin Leupold
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