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Datum: 16.03.2017
Rubrik: Kunst & Kultur

Kampfkunst zum Anfassen und Mitmachen

20. Schwertkämpfertreffen lockte rund 150 Akteure aus 20 Vereinen und Gruppen für Seminare nach Bernau

Bernau (ka). Der Faszination des Schwertes erliegen einige Menschen schon im Kindesalter, denn in vielen Erzählungen und Märchen spielen sie eine Rolle. Dabei wurden Welten erschaffen, in denen König Artus mit dem hölzernen Excalibur gegen Drachen und andere Feinde kämpfte oder die Musketiere mit dem Plastikdegen Ehrengefechte an der Seite des Königs austrugen. Auch in der Geschichte waren Schwerter immer mehr als nur Waffen. Sie waren zugleich Symbole der Macht und des Rechts. Wie unterschiedlich ein Schwert zum Einsatz kam, konnte am vergangenen Wochenende beim 20. Schwertkämpfertreffen in Bernau hautnah miterlebt werden. In der Erich-Wünsch-Halle trafen sich Schwertkämpfer aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei. Stolze Ritter, wilde Wikinger, aber auch japanische Samurai zeigten, wie man meisterlich mit Klingen aller Art umgehen kann. Mit dabei waren rund 150 Akteure aus mehr als 20 Vereinen und Gruppen, die in verschiedenen asiatischen und europäischen Stilrichtungen kämpften. Mike Wedding, Leiter der Chin- Woo-Kampfkunstschule in Bernau, präsentierte den Besuchern verschiedene Techniken aus dem Kung Fu, das aus China stammt. Dabei gibt es verschiedene Stile, die nach Nord- und Südchina unterteilt werden. Im praktischen Teil ging es um einen Angriff mit einem Speer und dem Reichweitenvorteil, den der Angreifer dadurch hat. Den Schülern wurde gezeigt, wie diese Distanz mit einem Säbel überwunden wird und wie man den Speer-Träger trifft. „Ich habe auch gezeigt, wie er darauf reagieren und die Entfernung wieder gut machen kann“, berichtet Wedding. Eine Schülerin der Chin-Woo-Kampfkunstschule ist Anika Jantzen. Sie kam zufällig zum Kampfsport, ist seit elf Jahren dabei und inzwischen ein Braungurt. Sie zeigte Fünf-Tiger-Speerform, die zu den zehn grundlegenden Formen des Chin-Woo gehört. Dabei führt man verschiedene Speertechniken aneinandergereiht in fester Reihenfolge vor. Durch ihr Hobby hat sie die Welt gesehen und nahm an vielen Wettkämpfen, unter anderem in Amerika und Shanghai, teil. Ganz neu beim Bernauer Schwerttreffen ist die Gruppe um Stefan Pawlitke. Er ist Firmengründer von Genkido, einer Schule, in der verschiedene Kampfkunstarten unterrichtet werden. Naginata ist eine von ihnen. Sie kommt aus dem feudalen Mittelalter. Das Wort bedeutet langes oder mähendes Schwert. Die Disziplinen eines Wettkampfs beinhalten Kata- Turnier (Engi) und ein Rüstungsturnier (Shiai). Beim Engi geht es darum, präzise zu sein, den Rhythmus mit Partner zu fi nden sowie Konzentration auf sein Gegenüber. Beim Shiai werden Techniken aus dem Kata-Turnier in freiem Kampf angewendet. „Da kann jeder nach Gefühl individuell kämpfen“, sagt Stefan Pawlitke. Die Bernauer Briganten bereiteten eine zünftige Prügelei vor, die ganz ohne Waffen vonstatten ging. Während die Briganten noch an der überzeugenden Echtheit ihrer Hiebe feilten, haben sich alle Kampfkunstinteressierten auf der Bühne nebenan um Peter Koza versammelt. Er ist ein wahrer Meister aus der Slowakei und Kenner zahlreicher Schulen der europäischen Kampfkunst und gehört beim Schwertkämpfertreffen in Bernau zu den festen Größen. Ausgehend vom Sportfechten fi ng er einfach selber an, sich weiterzubilden. Er studierte alte Bücher und wurde selbst zum Lehrer. Der Slowake unterrichtete bei der Zusammenkunft der Kampfkunstinteressierten die deutsche Schule. Er ist auf dem Seminar für alle da. Jeder kann bei Ihm lernen, ganz nach dem Motto: Der größte Stolz des Lehrers ist, wenn er nicht mehr notwendig ist. Doch das hält ihn natürlich nicht davon ab, auch nächstes Jahr wieder nach Bernau zu kommen. „Ich komme immer wieder gerne, weil hier Freundschaften entstanden sind“, so Peter Koza. Neben Veranstaltungen wie dem Schwertkämpfertreffen und dem Hussitenfest ist die Stadt Bernau mittlerweile zu einer festen Größe in der Mittelalter- Szene geworden, die jedes Jahr zahlreiche Gäste für einen kurzen Moment in eine andere Zeit entführt. Auch als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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