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Datum: 21.04.2017
Rubrik: Gesellschaft

Regenbogenfahne wehte in Werftpfuhl

Junge Menschen aus ganz Europa feierten „queere“ Ostern und hinterfragten gesellschaftlich akzeptierte Rollenbilder

Werftpfuhl (fw). Flaches Land, dörfliche Atmosphäre. Das Grenzgebiet zwischen dem Barnim und Märkisch- Oderland bietet sicherlich viel für diejenigen, die den heteronormativen Lebensstil leben. Ein schönes Haus, ein verheiratetes Paar bestehend aus Frau und Mann, Kinder und vielleicht noch ein Hund. Als Hochburg für Homo-, Trans- oder Intersexuelle ist es allerdings nicht bekannt. Dennoch wehte an der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein in Werftpfuhl bis Anfang der Woche die Regenbogenflagge. Dort waren über Ostern Menschen aus ganz Europa zu Gast, um sich mit dem Thema „queer“ zu befassen. Unter diesem Oberbegriff werden Lebensweisen und Identitäten zusammengefasst, die von der gesellschaftlich akzeptierten Norm abweichen. Das Seminar „Queer Easter“ fand in diesem Jahr zum 18. Mal statt. Diesmal stand das Event unter dem Motto „Popkultur und Politik“. „Wir haben diesen Zugang gewählt, weil es sehr nah an Jugendkultur dran ist“, erklärt Organisatorin Marie Wilpers. In dem Bereich werden soziale Realitäten und Vorbilder geschaffen, da es ein Spiegel der Gesellschaft ist. Daher eignet sich das Themenfeld gut, um zu analysieren, wie Heteronormativitäten geschaffen werden. „Wir stellen uns aber auch die Frage, wie neue Medien, Popkultur und Musik dazu genutzt werden können, anderen Identitäten zu schaffen und Sichtbarkeit zu geben“, so die Bildungsreferentin. In zumeist englischsprachigen Workshops befassten sich die 18- bis 30-jährigen Teilnehmer mit verschiedenen Fragen: Ist Rihanna feministischer als Miley Cyrus? Wird in der Harry-Potter-Reihe die britische Klassengesellschaft gespiegelt? Haben Disney-Filme einen Bildungsauftrag? So wurden popkulturelle Phänomene und ihre Wirkung genauer unter die Lupe genommen. Die Teilnehmer kamen dabei ins Gespräch, tauschen ihre Meinungen aus und lernen Ansichten anderer kennen. Viele von ihnen engagieren sich für mehr Vielfalt in ihren Ländern. Manu Seitz leitet beispielsweise eine Transjugendgruppe in der Schweiz. Einmal monatlich gibt es ein Treffen, das abwechselnd in Bern und in der Schweiz stattfindet. Dort kommen etwa 20 bis 30 junge Menschen hin, die sich dem Geschlecht, mit dem sie geboren wurden, nicht zugehörig fühlen. „Die Themen sind breit und verschieden. Es geht manchmal um medizinischen Maßnahmen, aber es ist auch einfach ein Ort, sich ‚normal‘ zu fühlen“, berichtet die Schweizerin. Ziel des einwöchigen Seminars war es auch, einen solchen Ort zu schaffen. Das sichere Umfeld trägt zum offenen Erfahrungsaustausch bei. Einige Teilnehmer können in ihrer Heimat nicht dazu stehen, dass sie „anders“ sind. Sie müssen es unterdrücken, sich verstecken und in Angst leben. Sonst drohen Diskriminierung, Gewalt oder strafrechtliche Verfolgung. Selbst in Berlin kann offen gezeigte gleichgeschlechtliche Zuneigung zu Problemen führen, wie Kia Thiemann erzählt. Sie wurde kürzlich Zeugin einer Auseinandersetzung zwischen einem schwulen Paar, das sich öffentlich küsste, und einem angetrunkenen Mann, der das nicht mit ansehen wollte. Sie ging dazwischen, da die Diskriminierung auch sie betraf. „Dafür musste ich ganz schon viel Mut aufbringen“, so die Berlinerin. Zwar ist die Situation für „queere“ Menschen in Deutschland deutlich besser als in anderen Ländern, aber bis zur Akzeptanz ist es immer noch ein weiter Weg. Um diese Situation zu verbessern, waren die jungen Leute aus insgesamt 20 Ländern in der Bildungsstätte nahe Werneuchen. Die neuen Erkenntnisse nahmen sie mit nach Hause. Wie stark dieses Angebot nachgefragt war, zeigte die Auslastung. Von den 120 Betten waren nur sehr wenige frei. Während des Seminars standen aber nicht nur ernste Themen auf der Agenda. Auch ein Besuch in Berlin, eine Party und genügend Freizeit waren Teile des Programms. Auch als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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