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Datum: 18.05.2017

Das Dreigestirn des modernen Städtebaus

Ministerin Kathrin Schneider zu den „Wohnzimmern der Stadt“ auf Tour in Brandenburg. Grundsteinlegung an den Töpferhöfen in der Altstadt von Eberswalde

Eberswalde (lo). „Wenn man richtig arbeitet, soll man auch richtig feiern“. Mit diesem Satz kam die brandenburgische Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung, Kathrin Schneider, bei den Eberswaldern auch richtig gut an. Die Sozialdemokratin besuchte aus Anlaß des dritten bundesweiten „Tages der Städtebauförderung“ am vergangenen Wochenende erneut Eberswalde. Der Beginn des Besuches der Politikerin fi el mit dem Auftakt der Veranstaltung „Guten Morgen Eberswalde“ zusammen, die an diesem Sonnabend zum Ausblick auf die Konzerte bei „jazz in e.“ eingeladen hatte. Volker Jaekel am Klavier und Gert Anklam am Saxophon entführten auf ganz besonders einfühlsame Weise in das Thema dieses „besonderen Jazzfestivals im Osten“, das sich in diesem Jahr mit dem „Atem“ beschäftigt. Jaekel und Anklam boten einen besonderen Aperetif: Alte Musik traf auf Jazz, historische Instrumente auf unerhörte Klänge, Mittelalter auf Weltmusik. Was „jazz in e.“ 2017 sonst noch zu bieten hat - darauf machten beide wirklich gespannt. (Wir berichten ausführlich über das Programm auf Seite 14 dieser Zeitung.) Weil wir gerade beim „Besonderen“ im Osten sind: Ministerin Schneider betonte die Wichtigkeit des Städtebaus als Triebkraft der Wirtschaftsförderung. Erhebliche Mittel seinen dazu in 37 Städtebauprojekte im ganzen Land Brandenburg gefl ossen, darunter auch 30 Millionen Euro unter anderem in die Eisenbahn- und die Schinkelsche Vorstadt in Eberswalde, wie Baudezernentin Anne Feller im Vorfeld mitteilte. Doch Wohnraum allein mache eine Kommune nicht zwingend lebenswerter. Daher betonte die Ministerin ebenso ausdrücklich die Bedeutung von Plätzen, Straßen und Wegen als „Wohnzimmer der Stadt“. Hier sei in ganz besonderer Weise Mitsprache gefordert. Ministerin Schneider äußerte die Bitte, sich einzubringen: Gute Stadtentwicklung gehe nur mit den Menschen. Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski stellte fest, daß Bauen alleine nicht genügen würde. Was man dann aus dem Geschaffenen machen, wie man es nutzen und mit Leben erfüllen könne, sei ebenso wichtig. Boginski verwies dabei auf das zeitgleich laufende Stadtteilfest in Finow, mit dessen Hilfe der engagierte Stadtteilverein gerade dabei sei, den historischen Marktplatz wieder zu beleben. Auch das Paul-Wunderlich-Haus, in dem man sich gerade befände, sei ein Beispiel für eine solche Nutzung, zudem seinen hier private Projekte zu nennen. Segmente der Entwicklung Die vom Bürgermeister angesprochenen privaten Investoren boten der Ministerin die Brücke für ihre Grußworte zur Grundsteinlegung der Töpferhöfe, die im Laufe des frühen Nachmittags stattfand. „Wir brauchen bei der Entwicklung unserer Städte alle drei Segmente: kommunale Bauträger, private Investoren und schließlich die ‚Häuslebauer‘, jeder mit seinem Engagement“, so Schneider. Nur so sei zu erreichen, was für eine Stadt unbedingt notwendig wäre. Die Politikerin mahnte die Stadtpolitik, daran zu denken: „Nur alle drei zusammen schaffen eine gute soziale Mischung“. Sie sei froh, daß sie dafür viele Abgeordnete des Landtages und den Finanzminister an ihrer Seite wisse, denen sie ausdrücklich danke. Denn die entsprechenden Etats konnten von 77 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 100 Milliarden Euro in diesem Jahr erhöht werden. Für Eberswalde habe sie eine gute Nachricht: „Der Markt ist angesprungen“, sonst wäre ein Privatinvestor wie der Bernauer Unternehmer Mark-A. Krüger wohl kaum vor Ort. „Eberswalde ist wieder eine Stadt, die wächst! Nun versuchen wir alles, sie noch lebenswerter zu machen“, ergänzte Bürgermeister Boginskli stolz, bevor er gemeinsam mit Mark-A. Krüger die Ministerin zur Grundsteinlegung begleitete. Probleme zeitnaher lösen „Hier bauen wir vier Häuser mit 37 Eigentumswohnungen“, erläuterte der Investor sein Projekt. Derzeit habe man allerdings eine Reihe von Reibungspunkten mit den Archäologen. Krüger forderte die Politik auf, die Historiker zu „trimmen“, denn anderenfalls sei ein Investor wie er möglicherweise schwer zu halten. Auch die Tatsache, daß man ein halbes Jahr auf eine Baugenehmigung warten müsse, empfand Krüger als zu lang. Hierzu versprach Boginski eine zeitnahe Prüfung. Schließlich wolle man im Juli 2017 die Pfahlgründungen einbringen, auf denen die Gebäude wegen des wassernahen Untergrundes errichtet werden müssten, so Krüger. „Wie Sie am gegenwärtigen Zustand des Baugrundes sehen, war das auch schon vor hunderten Jahren so“. Sein Großvater sei übrigens Maurer gewesen, und so habe er schon als Junge immer „gerne gebaut“. Ministerin Schneider stand da keinesfalls hintenan: Ihr Vater war Zimmermann und auch sie habe ihr bauhandwerkliches Geschick schon aus ihrer Kindheit bis mit ins Amt genommen. Ihr Besuch wurde durch eine „grüne“ Stadtführung mit Tobias Otto und dem Pantomimen Jörg Jüsche umrahmt, der - ganz in Weiß - mit Zollstock assistierte. Es ist erstaunlich, welche Sichtweisen sich erschließen, wenn einem fachkompetent die Bedeutung von Bäumen, Freifl ächen und deren ökologischer Entwicklung verdeutlicht wird. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt des Tages wären: Beim „Atmen“ mit „jazz in e.“, das uns durch Ottos Erklärungen um so bewusster wurde. Als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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