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Datum: 18.05.2017
Rubrik: Gesellschaft

„Fürchtet Euch nicht!“

22. Motorrad-Gottesdienst

Friedrichswalde (ma). Statistiker hätten nachgezählt: der Zuspruch „Fürchte Dich nicht!“ würde genau 365 Mal in der Bibel vorkommen. So begann Pfarrer Ralf Schwieger den 22. Motorrad-Gottesdienst in Friedrichswalde. „Für jeden Tag des Jahres. Wie ein roter Faden zieht er sich durch die ganze Bibel“. Auch durch seinen Gottesdienst unter dem Motto „Keine Angst“ sollte er das tun. „Fürchte Dich nicht“, antwortete die Gemeinde von Motorradfahrern, die am Sonntag vergangener Woche die Kirche zum 22. Mal gefüllt hatte. Wer Pfarrer Schwieger kennt, weiß, dass er seine Schäfl ein dort abholt, wo sie sind. So gab es auch Passagen, bei denen gelacht werden durfte. Zudem ist laute Rockmusik von „Fathat“ seit neun Jahren Bestandteil des Motorrad-Gottesdienstes. Es ist genau die Art von Andacht, für die ihn seine große Fangemeinde schätzt, nicht nur Biker. Dann wurde er ernst: „Uns eint das Motorrad, wir haben ein Thema: Motorrad fahren, schrauben, feiern, gemeinsam unterwegs sein“. Allerdings habe er neuerdings auch das Gefühl, dass mal wieder die Angst alle eine. „German Angst“ sei ein alter Begriff, aber so krass wie in diesen Tagen habe er ihn selten gespürt. Angst vor Trump, Angst vor einem nächsten, nahen Krieg, Angst vor Erdogan, Angst vor dem Klimawandel, Angst vor gedankenlesenden Handys oder Angst vor Krankheiten, vor Alleinsein und Tod. Schwieger ließ seine Zuhörer nicht allein mit ihren Ängsten. Er sprach von seiner ersten Erfahrung mit dem Motorrad auf schwierigen Alpen-Straßen und davon, wie er sie überwunden hat und mit der Hilfe eines italienischen Rollerfahrers Vertrauen zu sich selbst fasste. Er bat die Biker und ihre Weggefährten in Frieden miteinander zu leben und fest zusammenstehen, wenn andere über sie urteilen, sie als zu laut, zu schnell, zu leichtsinnig bezeichnen. Auch die gemeinsame Ausfahrt von hunderten Bikern durch die Region hatte in diesem Jahr einen ernsten Hintergrund. Im Vorfeld gab es Schwierigkeiten mit dem Streckenverlauf. Ein Amt hatte mit Verweis auf den Sonntagsschutz und die Immissionsverordnung Widerspruch gegen die Durchfahrt angemeldet. Es gab zwischenzeitlich zwei Alternativrouten die nicht durch Britz geführt hätten. Nach Hinweisen aus der Bikerschaft meldete der Pfarrer die Ausfahrt kurzerhand als Demonstration an: Für die Akzeptanz von Motorradfahrerinnen und -fahrern und gegen jegliche Pauschalisierung und Diskriminierung. Mit einer Schweigeminute gedachten die Biker der Toten, der Abschiede, die hingenommen und ausgehalten werden müssen.

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