Regionalwetter

Nachrichten

Datum: 18.05.2017
Rubrik: Kunst & Kultur

Wird das Leben nun schöner?

Das Eberswalder Festival „jazz in e.“ stellt sich in der kommenden Woche gegen unsere „atemlose“ Zeit

Eberswalde (lo). Lassen sich die Besucher auf unsere Angebote zur Auseinandersetzung ein? Das ist nur eine der vielen Fragen, die sich das Team von „jazz in e.“ um Festivalleiter Udo Muszynski zu stellen hatte. Denn das Thema des 23. Eberswalder Jazzfestivals hat es in sich: der „Atem“. Seit einem Jahr haben sich die Festivalmacher dazu in Beziehung gesetzt und verschiedene Zugänge zum Atmen gefunden: Gesangstechniken, Stimmen, gedanklich auch bis zum letzten Atemzug. „Viele dieser Zugänge sind nur Zuspitzungen, denn nicht einmal ansatzweise sind alle möglich“, weiß Muszynski. Atem ist Leben „In unserer schnelllebigen Zeit ist eine Fokussierung nötig“, so der Festivalchef weiter. Auseinandersetzungen ganz gezielt, Vergleiche durch genaues Hinschauen, besondere Inspirationen, die man mit nach Hause nehmen will. Das setzt „jazz in e.“ der Fülle an Informationen und der Beliebigkeit unserer „atemlosen Zeit“ entgegen. Welchen Rhythmus nehmen dabei die Mitwirkenden auf? Den ihres eigenen Atems? Den des Publikums? Den ihrer Schritte? Wird ihr Spiel ihren Atem manipulieren, dem Musizieren unterordnen, ihn zum musikalischen Material werden lassen, oder zu einem besonderen, ganz eigenen Ausdrucksmittel? Und wird sich das alles auf das Publikum übertragen? Wenn ja – wie? Was macht Musik über das Atmen eigentlich danach mit uns? Wird das Leben nun schöner? Antworten gibt das „besondere Jazzfestival im Osten“ vom 24. Mai bis 27. Mai im Eberswalder Paul-Wunderlich-Haus und auf dem Kirchhang am Marktplatz. „So dicht wie hier haben Sie Jazz woanders nur selten“, macht Muszynski neugierig. Darüber habe er viele positive Rückmeldungen erhalten, zuletzt auf der Jazzmesse in Bremen vor knapp zwei Wochen. „Eberswalde ist inzwischen ein anerkannter Ort in der Jazzszene, auch wenn wir nur ein ‚Außenpunkt‘ sind!“ Preisträger on stage Die Konzerte 2017 wird der Schweizer Trommler Julian Sartorius eröffnen, der bereits mit fünf Jahren zum Schlagzeug fand. Oft präpariert er sein Instrument und häufi g gehören ganz normale Alltagsgeräusche zu seiner Musik, Klapptische in Flugzeugen zum Beispiel. So macht er Alltag hörbar. Auch die „Beste Jazzsängerin national“, Gewinnerin des Jazz ECHO 2017, wird zu erleben sein: die Wahlberlinerin Lucia Cadotsch aus Zürich, in Eberswalde keine Unbekannte, „singt frei und stolz“ eine „berückend schöne Sammlung“, als „Instrument und Erzählerin“ zugleich. Ebenfalls dabei der Brite Even Parker, als „Einstiegsdroge“ in den Jazz sogar vom britischen Parlament geehrt, und die Norwegerin Sidsel Endresen, eine der gefragtesten Stimmen Skandinaviens. Ihre Songs kommen oft aus der Stille, in einer „Zone, in der die Details leben können. Die Stille ist ein äußerst aktiver Raum“, so die Künstlerin. Beide sind geradezu „lebende Legenden“ des Jazz. Ebenso mit auf der Bühne: die junge Jazz-Generation mit „Max Andrzejewski’s Hütte“ und „The Homegrown Organic Gospel Choir“, deren Programm eine „Liebeshochzeit aus Gospel und Jazz mit Texten über das Essen als Ersatzreligion“ offerieren wird. „Shake Stew“ aus Österreich verspricht ein „intergalaktisches Roadmovie für die Ohren“. In der musikalischen Biographie von Bandleader Lukas Kranzelbinder ist zu lesen, dass er eine spanische Jazzoper realisiert oder „Konzertwanderungen“ auf Bergen von über 2.000 Metern Höhe entwickelt habe. Das ebenfalls aus Österreich anreisende Trio „Trara“ ist ein „fi xer Bestandteil des musikalischen Zentralnervensystems Wiens“. Seine Mitglieder agieren rund um die Jazz Werkstatt der Donaumetropole, beschäftigen sich in der „Stadtkapelle“ mit den typischen „Wienerliedern“ und vermischen „ausgefeilt trashige Skizzen mit verhallten Klangbändern, lösen Assoziationen von cineastischer Bildhaftigkeit aus“. Das Ensemble „Wind und Erde“ mit Musikern aus Peru, Burkina Faso und Deutschland erwartet seine Zuhörer am Fuße der Maria-Magdalena-Kirche als zeitgenössische Turmbläser, steigt später zu ihnen hinab, um sich mit Percussionistinnen zu treffen. Eben noch als Klänge in der Luft, bieten nun alle zusammen Erkundungen des Raumes aus verschiedenen Himmelsrichtungen, mit westafrikanisch und südamerikanisch folkloristischen Mischungen offen und erfrischend ergänzt. Clemens Christian Pötzsch bringt in seinen Klavierabend unter anderem ein sorbisches Volkslied ein. „Noch ist es in Deutschland unüblich, sich mit der eigenen Liedgeschichte zu befassen“, freut sich Muszynski auch auf diesen Abend. Günstige Tickets 2016 war „jazz in e.“ zum ersten Mal ausverkauft. Darauf hoffen die Veranstalter natürlich auch in diesem Jahr, denn ein knappes Drittel des etwa 50.000 Euro umfassenden Budgets muss aus den Einnahmen fl ießen. Festivaltickets für 17 Euro, ermäßigt 13 Euro, gibt es unter anderem in der Eberswalder Tourist Information in der Steinstraße 3 oder über die Homepage des Festivals www.mescal.de. Mit dem im bundesweiten Vergleich „preisgünstig unschlagbarem“ Festivalpass für 43 Euro, ermäßigt 34 Euro, haben im letzten Jahr viele Besucher sogar alle Konzerte erlebt. Nach Abzug notwendiger Kosten sollte auch etwas übrig bleiben: für ein neues Lichtkonzept etwa, das die Besucher 2017 erleben können. Vorab-Berichte sind jetzt schon im Blogg zu lesen und auch die neuen „jazz in e.“ T-Shirts sind da. Das mittlerweile zwölfte Motiv zeigt den Trompeter der Band „Absolutely Sweet Marie“, die im vergangenen Jahr in Eberswalde zu Gast war. Als Vorlage diente der Linolschnitt „Steffen Faul“ aus dem Jazzkalender 2017 von Matthias Schwarz. Verkauft werden die T-Shirts für 16 Euro zum Festival selbst und später zu den „Guten Morgen Eberswalde“-Veranstaltungen. Verlässliche Partner „Verlässlich in stabiler Partnerschaft“, so werden sie von Udo Muszynski beschrieben: die Partner neben den Akteuren. Die Sparkasse Barnim als Hauptsponsor, zahlreiche regionale Wirtschaftsunternehmen, schließlich Stadt und Landkreis. Torsten Stapel vom Festivalteam bringt es auf den Punkt: „Aktivisten und Unterstützer – beide aus der Region!“ Bürgermeister Friedhelm Boginski ist froh, daß die Stadt „rechtzeitig erkannt hat, welche Rolle Kultur und Bildung spielen“. „jazz in e.“ präge die kulturelle Vielfalt Eberswaldes und damit ihre positive Entwicklung mit. Auch der Landkreis sei und bleibe ein stabiler Partner, bestätigte Landrat Bodo Ihrke. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter, Carsten Bockhardt, freut er sich anerkennend, wie sehr „jazz in e.“ das Paul-Wunderlich-Haus, das in diesem Jahr den 10. Jahrestag seiner Eröffnung begeht, „als offenes Haus mit Leben erfüllt“.

Weitere Meldungen aus dieser Rubrik

Sonnige Festtage trotz regnerischem...

Buckow (sd/km). Fast schon drohten die Buckower Rosentage mit einem verregneten Auftakt ins Wasser zu... [zum Beitrag]

Eine niedliche „Schweinerei“

Petershagen/Eggersdorf (sd). Eine besondere Überraschung erlebten die Mitarbeiter des Kinderbauernhofes... [zum Beitrag]

Gute Laune kennt kein Alter

„Und die Hände zum Himmel...": Stargast Bata Illic wusste die Besucher des dritten Tages der Senioren in... [zum Beitrag]

Ab Stadtinfo und Storchenturm

Altlandsberg (sd). Mit dem Altlandsberger Nachtwächter geht es demnächst auf Touren rund um das... [zum Beitrag]

Eine Begeisterung, die infiziert

Herzfelde (sd). Mit gut 587 Kilometern hatte Christoph Sahs aus Friedrichsdorf bei Frankfurt/Main... [zum Beitrag]

Bierkönigin gesucht

Altlandsberg (sd). Das Altlandsberger Bier- und Braufest am 1. September wartet in diesem Jahr mit einer... [zum Beitrag]

„Muffin Queen“ aus Neuenhagen

Neuenhagen (lh). Ob Cupcakes, Torte, Cakepops oder Tartes – Jenny Kühn backt einfach für ihr Leben gern.... [zum Beitrag]

Dritte Auflage des Festes an der Fähre

Strausberg (sd). Mit der nunmehr dritten Auflage hat sich ein weiteres Angebot aus der Festwoche „775... [zum Beitrag]

Buntes Angebot um die Fähre

Strausberg (sd). Während die dritte Auflage des Festes an der Fähre kürzlich vor allem bei den Jüngsten... [zum Beitrag]