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Datum: 05.10.2017

Jutta Lieske vs. Ralf Lehmann - der Kampf ums Bürgermeisteramt

Am 15. Oktober 2017 fi ndet in Bad Freienwalde die Stichwahl um den Posten des Bürgermeisters statt

Bad Freienwalde (ma). Ob das Wahljahr für die Bad Freienwalder noch eine weitere Überraschung bereithält, wird sich am Sonntag, dem 15. Oktober, zeigen. Dann sind die Kurstädter und die Bürger der Ortsteile erneut an die Wahlurnen gerufen. In einer Stichwahl wird entschieden, wer als Bürgermeister von Bad Freienwalde und sieben Ortsteilen die Geschicke der nächsten acht Jahre in den Händen halten wird. Zu Erinnerung: Bei der Wahl am 24. September konnte keiner der vier Kandidaten die absolute Mehrheit erringen. Amtsinhaber Ralf Lehmann erreichte mit 41,3 Prozent das beste Ergebnis gefolgt von Jutta Lieske, die 32,2 Prozent der Stimmen erreichen konnte. Spannend dürfte werden, wie sich die Wähler von Leonie Schölzel und Lars Günther entscheiden. Während die BVB/ Freie Wähler empfi ehlt, Jutta Lieske ihre Stimme zu geben, bleibt unklar auf welche Seite sich die AfD-Wähler schlagen werden. Wie sehen die beiden Kontrahenten der Stichwahl ihre Chance? Der Blitz traf sich mit beiden, um die Unterschiede in der Programmatik herauszufi nden. Ralf Lehmann „Ich lag mit meinen Prognosen richtig. Einzig wie Frau Schölzel abschneiden würde, war mir nicht klar“, kommentiert Lehmann den Wahlausgang. Wenn man sich nur auf das Thema Brücke konzentriere, sei das viel zu wenig in Sachen Stadtentwicklung, so der amtierende Bürgermeister. Stadtentwicklung sei viel mehr. Dazu gehöre eine ordentliche Infrastruktur, kulturelle Angebote, die historische Bausubstanz, die saniert wurde und die Kurortentwicklung die noch einen ordentlichen Schub benötige. „Das sind unsere Schwerpunkte. Die Entwicklung des Kurmittelhauses und des Schlüsselbereiches „Heilige Hallen“ sind die zentralen Aufgaben, an denen keiner vorbei kann“, so Lehmann. Ralf Lehmann ist einer der dienstältesten Bürgermeister und fast 24 Jahre im Amt. Sicher hat er in dieser Zeit Spuren hinterlassen: Das schmucke Kurviertel, die sanierte Altstadt und einen ausgeglichenen Stadthaushalt. Genauso gibt es aber Stadtansichten, in die man Besucher nur ungern schicken würde. Es gibt soziale Brennpunkte, eine hohe Arbeitslosigkeit und Leerstand in vielen Geschäftsstraßen der Stadt. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist ein Schwergewicht einer Stadtentwicklung. „Wir haben hier nur kleines Gewerbe, Handwerk, Einzelhandel und Dienstleistungen. Große Betriebe werden wir hier nicht bekommen. Wir haben die Fachklinik und können froh sein, wenn wir die Wäscherei halten können“, so Lehmann. Bleibt also nur, den Tourismus zu entwickeln. Warum gelingt es nicht genügend Touristen in die Kurstadt zu ziehen? „Mit Sicherheit fehlt es uns an den attraktiven Wellnesseinrichtungen, sprich im Hotelgewerbe. Das würde allein schon mit eigenen Marketingaktionen genügend Besucher anziehen. Wir haben gute Angebote für Wanderer und Naturtouristen, die aber wollen übernachten und mit Wellnesangeboten entspannen. Das Hotel Eduardshof hätte es bieten können. Es ist eine meiner traurigsten Erfahrungen, dass die Stadtverordneten sich nicht entscheiden konnten, es mit einer stadteigenen Gesellschaft weiter zu betreiben“, resümiert Ralf Lehmann. Auch für das Hotelpojekt „Landratsamt“ fi ndet sich trotz deutschlandweiter Ausschreibung kein Investor. Alle Hoffnungen konzentrieren sich nun auf ein Hotelprojekt im Kurviertel. Ein weiter Knackpunkt ist die Ortsdurchfahrung (Kreisverkehr). Hier gäbe es Variantenuntersuchungen und die Vorzugsvariante soll von den Stadtverordneten beschlossen werden. Der Abriss der Brücke sei entschieden und es mache keinen Sinn diese Diskussion erneut zu entfachen, so Lehmanns Position. Jutta Lieske Die SPD-Landtagsabgeordnete war bereits Bürgermeisterin in Letschin. Später, vor ihrer Kariere als Landespolitikerin, auch Leiterin des Amtes Letschin. Sie kennt die Probleme vieler Gemeinden in ihrem Wahlkreis, der von der Oder bis an die Grenze der Hauptstadt reicht und sie hat auch die großen Dinge auf Landesebene im Blick. Das dürfte hilfreich sein, bei weiteren Verhandlungen zum Kurortstatus. Viele Beobachter sind sich einig, dass das der Stadt einen entscheidenden Vorteil bringen könnte. Indes machen die Probleme der Stadt auch um Jutta Lieske keinen Bogen. Sie wird sich wie der Amtsinhaber den selben Herausforderungen stellen müssen. Wie will sie das anstellen? „Wir brauchen ganz klar eine gut aufgestellte Kurstadt mit wirtschaftlichen Angeboten nicht nur für die Kurgäste sondern auch für die Besucher aus der Region und für die Bevölkerung, die Bad Freienwalde als Mittelzentrum wahrnehmen und hier zum Arzt und auch einkaufen gehen“, so die Landtagsabgeordnete. Welche Impulse sollen den Wirtschaftsstandort verbessern? „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Wirtschaft sich mit dem Kurort identifi ziert und einen Stolz auf sich selbst entwickelt, auf das Knowhow das sie hat. Das bedeutet aber auch, dass die Angebote von der Region angenommen werden müssen“, mahnt Jutta Lieske die Unterstützung der örtlichen Wirtschaft durch die Konsumenten an. Regionale Produkte sollten ebenfalls stärker in den Fokus gerückt werden und Besucher anlocken. Sie kenne viele und ist sich sicher, entsprechende Geschäftsleute dafür zu fi nden. Werbung schon hinter den Toren von Berlin entlang der B 158 könnte ihrer Meinung nach auch den einen oder anderen bewegen in die Kurstadt abzubiegen. Vorher müssten aber die Angebote stimmen. Ein weiteres großes Anliegen der Kandidatin ist die stärkere Einbeziehung der Ortsteile in die Stadtpolitik. Die Glättung der Risse in der Bürgerschaft will sie mit Transparenz und Offenheit vorantreiben. Am kommenden Dienstag, dem 10. Oktober will Jutta Lieske ab 18 Uhr in der Konzerthalle in Bad Freienwalde Bürgerfragen zu ihrer Kandidatur beantworten.

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