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Datum: 08.02.2018
Rubrik: Gesellschaft

„Noch mehr Leben in der Bude“

Panketaler Familie nimmt mexikanische Schülerin bei sich auf / Beide Seiten profi tieren von der Erfahrung

Panketal (fw). „Bei uns ist jetzt noch mehr Leben in der Bude“ – so beschreibt Monja Faecke das Leben ihrer dreiköpfi gen Familie seit Gastschülerin Lucía aus Mexiko bei ihnen in Panketal lebt. Die 18-Jährige kam im Rahmen eines Schüleraustauschprogrammes der gemeinnützigen Organisation Experiment e.V. im August vergangenen Jahres nach Bernau. Allerdings stimmte die Chemie mit den Gastgebern dort nicht. Nach Rücksprache mit ihrer Ansprechpartnerin bei dem Verein startete Lucía einen Aufruf am Bernauer Paulus- Praetorius-Gymnasium, um eine neue Gastfamilie in der Region zu fi nden. Da die beste Freundin von Tamina Faecke im gleichen Biologie-Kurs wie die Mexikanerin war und von dem Aufruf hörte, machte sie sie auf die Situation aufmerksam. Ein Anruf bei Mama Monja genügte. Sie hatte nichts dagegen und auch Vater Frank stimmte unter der Bedingung zu, dass erst alle Formalitäten geklärt werden mussten. Nachdem das erledigt war, zog die Austauschschülerin im Dezember vergangenen Jahres zu den Faeckes. „Wir haben genügend Platz und haben aus dem Wäsche- und Bügelzimmer kurzerhand das Zimmer für Lucía gemacht“, erinnert sich Monja Faecke. Zwar hatte sie die Befürchtung, dass es etwas eng sein könnte, doch das hat sich nicht bestätigt. Die Mexikanerin fühlt sich wohl bei den Panketalern, die vor 14 Jahren von Berlin-Kreuzberg auf’s Land zogen. Sie wollten nicht, dass Tamina in der Großstadt aufwächst. Für sie ist es eine ganz neue Erfahrung, vorübergehend nicht mehr das einzige Kind zu sein. Die beiden jungen Frauen verstehen sich prächtig und haben viel gemeinsam. Sie hören Musik, singen und tanzen gern. Außerdem haben sie festgestellt, dass es auch eine mexikanische Version von „Fack ju Göhte“ gibt. Sie lernen aber auch die unterschiedlichen kulturellen Aspekte zu schätzen. So fand bereits ein lebhafter Austausch auf kulinarischer Ebene statt. Während sich Familie Faecke bei der Zubereitung von Tortillas versuchte – und nach eigenen Aussagen kläglich scheiterte – lernte Lucía Rosenkohl und Harzer Käse kennen und liebt beides. „Sie hat es probiert und ist auch für alles offen“, freut sich Ersatzpapa Frank. Natürlich gibt es hier und da noch die ein oder andere Sprachbarriere, doch seit Lucía bei den Faeckes ist, hat sich ihr Deutsch erheblich verbessert. „Sie hat wirklich einen Quantensprung gemacht“, so Mama Monja. Die Familie ermutigt das Mädchen dazu, Deutsch zu reden, auch wenn sie Fehler macht, denn nur so kann sie dazu lernen. Lucía entschied sich für Deutschland, weil auch ihr Bruder ein Jahr im Ausland verbrachte. Er war zwar in der Schweiz, hat dort aber Deutsch gelernt, dass er nun als Lehrer weitergibt. Von ihm hat sie auch ein bisschen Deutsch gelernt. Die Schülerin hofft, dass ihr die Sprachkenntnisse bei ihrer Berufswahl helfen. Sie möchte Ärztin werden. Die Lernerfahrung liegt aber nicht nur auf der Seite des Gastes, auch die Gastgeber erfahren Neues. Die vielerorts vorherrschende Vorstellung, dass es in Mexiko ausschließlich heiß ist und die Menschen dort keinen Schnee kennen, konnte Lucía widerlegen. Sie kommt aus der Stadt Zacatecas, die 3.200 Meter hoch liegt. Minusgrade sind in den Wintermonaten keine Seltenheit. Die Entscheidung, Lucía bei sich aufzunehmen, hat die Familie nicht bereut – ganz im Gegenteil. „Es hat die Toleranz gegenüber anderen Menschen und Kulturen erhöht“, fasst die Mutter zusammen. „Sie bereichert unser Leben mit ihrer mexikanischen Fröhlichkeit“, sagt Frank Faecke. Durch ihre positive Erfahrung mit Lucía ermutigen sie auch andere Familien, Schüler aus anderen Ländern bei sich aufzunehmen. Wenn das Schuljahr zu Ende ist, geht es für Lucía zurück in die Heimat. Sie wird ihre Zeit in Panketal sicher nicht so schnell vergessen, zumal sie kürzlich auch ihren 18. Geburtstag bei Familie Faecke feierte.

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