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Datum: 23.02.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Der kulturelle Magnet des Oderbruchs

Das Theater am Rand feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen

Zollbrücke (ma). Eigentlich ist der offi zielle Anlass des Jubiläums bereits vier Wochen her, sagt Tobias Morgenstern. Vor zwanzig Jahren, am 31. Januar 1998, spielten er und Thomas Rühmann die erste Vorstellung im Theater am Rand, damals noch ein Zimmertheater. Über Sten Nadolnys „Die Entdeckung der Langsamkeit“, ein musikalisch- literarischer Abend haben beide zusammengefunden. Rühmann brachte als nächstes Annie Proulxs Roman „Das grüne Akkordeon“ ins Spiel. Er wollte das Buch für einen Schauspieler und einen Akkordeonisten inszenieren. Entstanden ist daraus „Accordeon mystery“, was dauerhaft im Spielplan verankert wurde. Zu jener Zeit hatten die beiden allerdings Schwierigkeiten, die Aufführungsrechte für das Buch zu bekommen. Tobias Morgenstern schlug vor, das Stück in seinem 1986 gekauften Privathaus in Zollbrücke für eine Handvoll Freunde und Bekannte zu spielen. Heute bezeichnet er diese Aufführung als künstlerischen Impuls für das Theaterspielen im Oderbruch. Fortan wurde einmal im Monat gespielt, dann zweimal und es wurde immer mehr. Das Zimmertheater wurde mehrfach umgebaut und wuchs mit den Stücken, organisch, wie es Morgenstern bezeichnet. Als es zu eng wurde, dachte er darüber nach, wie ein Theater aussehen müsste, wenn man es neu bauen würde. Skizzen, Entwürfe und Modelle folgten, bis in den Jahren 2005/6 mit dem Bau begonnen wurde. Zuerst baute man das Künstlerhaus, dann das Theater und zum Schluss die Randwirtschaft. „So wie das Bedürfnis der Gäste war, so wurde organisch gebaut. Es kamen immer mehr Zuschauer, jetzt sind es etwa 25.000 im Jahr. Alles wurde aus eingenommenen Eintrittsgeldern bezahlt“, erzählt Tobias Morgenstern. Nur zweimal gab es eine Förderung der Baukosten durch das LEADER plus Programm, mit dem die Europäische Union Modellprojekte fördert. Heute ist die Spielstätte, durch ihre einmalige Architektur, schon von weitem in der fl achen Landschaft auszumachen. Künstlerisch ragt sie noch weit über die Region hinaus. Das Theater am Rand hat sich zu einem beliebten Publikums- Magnet entwickelt. Zehn Stücke entstanden mit der Zeit und bilden den Kern des ständigen Repertoires. Sie machen etwa 50 Prozent des Spielplans aus. Garant für ein volles Haus sind dabei „Siddhartha“ oder „Mitten in Amerika“. Die zweite Hälfte sind Gastspiele, Musik, Lesungen oder die „Randthemen“. Themenabende die politische Refl exionen sein sollen. Für den Juni dieses Jahres kündigt Morgenstern ein Randthema zum Glyphosateinsatz in der Landwirtschaft an. Ziel sei es, eine glyphosatfreie Zone zu schaffen. Almut Undisz, seit dem Jahr 2000 Geschäftsführerin des Theaters, stellt die Pläne für das Jubiläumsjahr vor. Sie sehen im Mai die Neuaufl age des Vorstellungsbuches und im Sommer eine neue Theaterproduktion vor. Damit sollen die vergangenen zwei Jahrzehnte refl ektiert werden. Ein Frühkonzert wie zum Zehnjährigen soll es ebenfalls geben. „Vom Dunkel ins Helle“ beginnt morgens um 3.14 Uhr. Ebenfalls zum Jubiläumsprogramm gehört eine heiter-spannende Vorstellung des Gletscher-Theaters, eine „improvisierte Massenlesung“ ohne Probe. Und nicht zuletzt verweist sie auf das Liederfest, bei dem singende Freunde des Theater am Rand auftreten werden. Saisonstart ist am 2. März mit „Der Schimmelreiter“. Das Stück ist das erste des Theaters, welches mit fünf Schauspielern und eigenem Bühnenbild inszeniert wurde. Am 9. März steht „Urgestein“ Ursula Karusseit auf der Bühne, gefolgt von bekannten Namen wie Uta Schorn oder Uschi Brüning und Band. „Der Schimmelreiter ist ein Stück, welches gut für Schulen geeignet ist“, empfi ehlt Almut Undisz. Ein weiteres Projekt „Unter Wasser“ für Schulen werde derzeit in Kooperation mit dem Theater in Schwedt entwickelt. Dafür hat das Kultusministerium des Landes einen Zuschuss in Höhe von 26.200 Euro bereitgestellt.

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