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Datum: 15.03.2018
Rubrik: Vereinsleben

„Jeder Tag ist spannend“

Blick hinter die Kulissen der Bernauer Tafel

Bernau (jm). In aller Frühe erwacht der Hof der Tafel Bernau langsam zum Leben. Die ersten Transporter fahren los zu den lokalen Supermärkten und Bäckereien, von denen die Tafel ihre Warenspenden erhält. Auf einer Tour liegen etwa zehn Geschäfte, die von den Mitarbeitern täglich angefahren werden. Die Lebensmittel, die hier abgeholt werden, würden ohne die Tafel auf dem Müll landen, obwohl sie natürlich für den Verzehr noch geeignet sind. Das ist keine Seltenheit in Deutschland, denn täglich werden viele Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch genießbar wären. Gleichzeitig gibt es Millionen Menschen, die nicht ausreichend zu essen haben. Die Tafeln bemühen sich um einen Ausgleich zwischen Überfl uss und Mangel.


Um die Lebensmittel retten zu können, sind neben der Abholung viele Aufgaben zu erledigen, die sich eher im Hintergrund abspielen. „Dazu gehören Logistik, Lagerung und Organisation, aber auch Arbeitsschutz, Brandschutz, Gesundheitsschutz dazu. Das sind Dinge, die für uns, wie für jedes Unternehmen einfach dazu gehören“, erklärt Norbert Weich, Vorsitzender der Bernauer Tafel. Wenn das Personal erkrankt und geschmiedete Pläne nicht mehr durchführbar sind, muss schnell reagiert werden, um den täglichen Aufgaben trotzdem gerecht zu werden. Oft müssen auch Spenden von weiter weg abgeholt werden. „Es kommt manchmal vor, dass wir schnell an Orte wie Wittstock müssen und das muss organisatorisch und logistisch umgesetzt werden“, so Weich. „Jeder Tag ist also spannend hier bei der Tafel“, berichtet der Vereinsvorsitzende.


Auf dem Gelände der Bernauer Tafel werden die bereits vorhandenen Lebensmittel sortiert. Jedes Stück wird in Augenschein genommen und nur makellose Ware kommt in die Kisten, die zur Weitergabe an die Kunden gedacht sind. Genauso werden die Waren, die mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen sind, geprüft. Nur wenn das Verfallsdatum maximal zwei Tage überschritten ist, wird die Ware noch an die Bedürftigen weitergegeben.


Die Abgabe der Lebensmittel erfolgt direkt auf dem Gelände der Bernauer Tafel, wo täglich ab 13 Uhr die Ausgabestelle geöffnet wird. Es gibt aber auch eine Reihe von Außenstellen, die von Bernau aus beliefert werden. Wegen der anhaltend großen Nachfrage soll das Netz von Ausgabestellen in Zukunft noch weiter ausgebaut werden, beispielsweise in Richtung Ahrensfelde und Krummensee oder Marienwerder und Zerpenschleuse. „Das hängt aber auch davon ab, ob es dort ehrenamtliche Helfer gibt, die sich vorstellen können, diese Ausgabestellen ein- bis zweimal pro Woche zu betreuen“, erklärt Weich.


Einen ganz besonderen Service bietet der Verein mit seinem Angebot der mobilen Tafel. Wer nicht in der Lage ist, die Ausgabestellen persönlich aufzusuchen, kann sich seine Lebensmittel auch liefern lassen. Die Kisten werden anhand von Bestellzetteln von den Mitarbeitern gepackt und anschließend ausgefahren. Der Kunde gibt dem Fahrer bei Lieferung einfach seinen ausgefüllten Bestellzettel mit. Während die Lebensmittelausgabe in vollem Gange ist, kehren die ersten Transporter von ihrer Supermarkttour zurück. Meist sind sie prall gefüllt und werden von den Mitarbeitern umgehend entladen, damit die neue Ware sortiert und für den nächsten Tag vorbereitet werden kann. Ein weiteres Angebot der Tafel ist der Mittagstisch. Jeden Tag wird von den Mitarbeiterinnen in der Küche eine andere Mahlzeit gekocht, die in der Cafeteria der Tafel für einen geringen Betrag angeboten wird.


Auch wenn die Lebensmittel von den Geschäften sämtlich Spenden sind, verschlingt die Logistik doch erhebliche finanzielle Mittel, denn die Ausgaben sind da und lassen kaum Platz für Einsparungen. „Die Autos müssen laufen und wenn sie kaputt sind, müssen sie repariert werden. Da kann ich nicht einfach die Hälfte bezahlen“, verdeutlicht Norbert Weich die Situation. Daher muss ständig auch nach neuen Sponsoren und Unterstützern gesucht werden. Man muss jedoch kein Sponsor sein, um die Arbeit der Tafel zu unterstützen. In vielen Geschäften stehen Sammelbüchsen der Tafel. Und getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ sind die hier eingesammelten Spenden auch eine spürbare Hilfe für die Tafel, die direkt ankommt und letzten Endes den bedürftigen Menschen zu Gute kommt. Auch als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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