Nachrichten - Kunst & Kultur

Wolf Kahlen-Museum zeigt Werke aus einem halben Jahrhundert

Instrumente für den Betrachter

Datum: 05.04.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Bernau (jm). Der international beachtete Medienpionier Wolf Kahlen stellt seiner eigenen Aussage nach „Instrumente für den Betrachter“ her. Bereits in den 1960er Jahren hat er die Medienkünste mitbegründet. Wer heute das Werk des Künstlers sinnlich erleben und besser verstehen will, muss nach Bernau kommen. Dort befi ndet sich das Wolf Kahlen Museum, das dem Besucher einen konzentrierten Einblick in sein Schaffen von 1956 bis heute bietet. Wolf Kahlen geht es in seiner Kunst nicht darum, schöne, dekorative Objekte oder Bilder zu schaffen. Sie sollen den Betrachter dazu einladen, zu interagieren, sich selbst in Bezug zu seinen Werken zu setzen. Der Medienkünstler hat den Anspruch, etwas im Betrachter auszulösen, Assoziationen hervorrufen und auch seinen geistigen Horizont zu erweitern. „Jeder Mensch sieht das, was er in seinem Bewusstsein und in seinen früheren Erfahrungen, zusammen mit dem, was neu ins Bild kommt, vereint. Wenn ein Künstler ganz bewusst Dinge zusammen bringt, damit etwas passiert und es offen genug ist, dass es in die Ideen der Menschen eintreten kann, dann macht er eine neue Erfahrung“, so Kahlen. Um Kunst zu verstehen oder eine Erfahrung mit ihr zu machen, muss man sich seiner Meinung nach einfach darauf einlassen. „Wenn ich beim Betrachten von Kunstwerken nur an Autos denken, werde ich damit nichts anfangen können“, nennt der Künstler ein Beispiel. „Es geht um die Freiheit des Betrachters vor einem Objekt, aus dem viele Anstöße kommen, etwas mit seinem Leben zu verknüpfen oder eben nicht.“ Um den Betrachter mit seiner Kunst zu erreichen, ist Wolf Kahlen jedes Mittel, jedes Material recht. Er schöpft dabei aus einem riesigen Fundus an Materialien, die für sein Verständnis gleichzeitig Medien sind. Dazu zählen unter anderem Textilien, Fotografi en, Gips sowie Sound, Videos, Zeichnungen und Skulpturen. „Alles ist ein Medium. Wenn ich mit den Händen gestikuliere, sind die Hände ein Medium“, so der Medienkünstler. Auch ein Stück Toilettenpapier kann künstlerisch aufbereitet als Medium dienen. „Es vermittelt nur etwas an Dritte.“ Das Medium Videofi lm hat Wolf Kahlen schon sehr früh für sich entdeckt. Bereits 1969, als die Fotografi e oder gar Videofi lm noch gar nicht als Kunstform anerkannt waren, begann Wolf Kahlen damit, sich künstlerisch mit dem noch neuen Medium Video zu beschäftigen. 1969 hat er sich eine wissenschaftliche Überwachungskamera aus zweiter Hand zugelegt. In dieser Kamera, die keinen Sucher hatte, lagen seine Anfänge. „Das war ein Kasten, der auf ein schweres Gerät aufzeichnete. Ich musste auf einem Monitor kontrollieren, was ich da mache.“ Mittlerweile hat Wolf Kahlen unzählige Videokunstprojekte realisiert. Seit 2005 hat er sogar sein eigenes Museum in Bernau. Über zwei Etagen erstreckt sich die Ausstellung seiner Werke, die eine Zeitspanne von 50 Jahren umfassen. Auch seine Videofi lme können dort von den Besuchern aus den vorhandenen Mediatheken abgerufen und angesehen werden. Da sich das Museum ausschließlich mit Medienkunst befasst, ist es in der Gegend einzigartig. „Es könnte überall auf der Welt sein, aber in dieser Gegend ist es eigentlich ein bisschen schwierig“, so Kahlen. Er sieht seine Bestimmung aber auch darin, diese Kunstform zu zeigen, so dass sich die Menschen darauf einlassen und daran gewöhnen können. „Man kann mit den verschiedensten Materialien und Techniken Kunst machen“, ist er überzeugt. Auch für die Besucher seines Museums ist Wolf Kahlen da. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Künstler selbst anwesend. Dann führt er seine Filme vor und beantwortet gern die Fragen seiner Gäste. Als Fernsehbeitrag auf: www.odf-tv.de

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