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Datum: 05.04.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Rettet die Briefkästen!

Mail-Art Ausstellung zeigt künstlerisch gestaltete Postkarten

Bad Freienwalde (ma). Die ungewöhnlich künstlerische Innenansicht einer Beziehung wird an diesem Samstag ab 10 Uhr in einer Ausstellung, in der Kreisbibliothek in Bad Freienwalde gezeigt. Petra und Lutz Leibner präsentieren ihre persönliche Korrespondenz mithilfe gestalteter Postkarten. Bevor die schnellen Nachrichten per SMS oder WhatsApp bei Millionen die Kommunikation beeinfl ussten, schickte man sich Briefe oder Postkarten. Ältere werden sich erinnern, Postkarten schrieb man sich früher bevorzugt als Urlaubsgrüße. Künstler schickten sich in Form von Postkarten Originalgrafi - ken zu. Mail-Art (Postkunst) heißt diese Kunstrichtung, die in den 1970er Jahren in den USA größere Bekanntheit erlangte. Im Ostblock und in der DDR galt diese Kunst als Form des Widerstandes gegen die herrschenden Verhältnisse. In den 1980er Jahren gab es in der DDR etwa 80 Künstler, die sich untereinander und mit anderen Künstlern weltweit Kunst in Kartenform schickten. Die Inhalte der Postkarten waren nicht nur politisch-satirischer Natur, sondern dienten, besonders im Westen, einfach der Ablehnung des etablierten Kunstmarktes. Daneben waren sie auch die bevorzugte Korrespondenz zwischen Künstler- Freunden. Kunstvoll gestaltete Post, oft als Collagen ausgeführt, schickten sich auch Petra und Lutz Leibner. Das künstlerische „Ehegefecht“ zwischen den beiden Wahl-Bad Freienwaldern begann 1999 in Berlin-Kreuzberg und hält bis heute an. Trotzdem sie im selben Haus, in der selben Wohnung wohnten, schickten sie sich Briefe und Postkarten. Jedes einzelne Stück als originales Kunstwerk hergestellt. „Es gab keinen festen Rhythmus der Sendungen. Aber es ist schon eine Art Nötigung: Wenn man Post bekommt, muss man auch antworten“, erklärt Lutz Leibner schmunzelnd. Die kleinen Kunstwerke bergen viele Erinnerungen der beiden: Briefumschläge einer nicht mehr existierenden Firma wurden verwendet oder Zuckertütchen von Café-Besuchen. Die gemeinsame Arbeit bei einer Zeitung brachte Zeitungsschnipsel in die Collagen und Fotografi en fl ossen genauso in ihre Werke ein. Zu jedem Stück können sie eine Geschichte erzählen. Die Möglichkeit zu einer Ausstellung in der Kreisbibliothek, konnte Petra Leibner schon vor einem Jahr mit Fotografi en nutzen. Da sie möchte, dass dort mehr passiert, hat sie die neue Ausstellung initiiert. Ganz zufällig kommt das mit der Mail- Art aber nicht, denn es könnte die Vorstufe zu einer größeren Ausstellung in der alten Post werden. Lutz Leibner ist in der Berliner Mail-Art Szene aktiv und bemüht sich gemeinsam mit seiner Frau darum, eine größere Schau in die Kurstadt zu holen. In der Stadtverwaltung kann man sich eine solche Zwischennutzung, ersten Gesprächen zufolge, gut vorstellen. Vorerst bleibt es aber bei dem kleinen „Ehegefecht“ in der Kreisbibliothek, in der Gartenstraße 4. Die Ausstellung ist auch ein Aufruf an alle, die schöne Kommunikation mittels der Post nicht aussterben zu lassen. „Rettet die Briefkästen!“ ist das Motto der Postkünstler.

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