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Datum: 19.04.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Licht auf dunklen Teil der Geschichte

Ausstellung „Meine jüdischen Eltern, meine polnischen Eltern“ vor interessiertem Publikum im Schloss Freienwalde eröffnet

Bad Freienwalde (ma). Viele Juden des Warschauer Ghettos ahnten, dass ihr letzter Transport in den Tod ging. Um wenigstens ihnen eine Überlebenschance zu ermöglichen, gaben einige jüdische Eltern ihre Kindern an polnische Familien oder polnische Bekannte. Ein Unterfangen, das im Falle der Entdeckung auch für die Polen den sicheren Tod bedeutet hätte. Etwa 5.000 Kindern wurden so gerettet. Am Freitag letzter Woche wurde im Schloss Freienwalde eine Ausstellung eröffnet, die sich einem hierzulande bislang wenig bekannten Aspekt aus der Zeit der faschistischen Besetzung Polens widmet. Die Ausstellung porträtiert den Lebensweg von 15 dieser Mädchen und Jungen. Eine von ihnen ist Joanna Sobolewska-Pyz, die zur Ausstellungeröffnung angereist war. Als Mädchen wurde sie 1943 im Abwasserkanal eines Ghettos aufgefunden und zur Lehrerin ihrer Mutter gebracht, die sie wie eine eigene Tochter umsorgte. Erst viele Jahre später erfuhr Joanna Sobolewska-Pyz die Wahrheit. Andere Betroffene wissen bis heute nicht, wer ihre leiblichen Eltern waren. „Auch im einst sozialistischen Polen waren solche Lebensgeschichten tabu und wurden verdrängt. Mit dieser gemeinsam erarbeiteten Exposition des polnischen Vereins ‚Die Kinder des Holocaust‘ und der deutschen Rosa-Luxemburg- Stiftung gelang es 2015, den Mantel des Schweigens endlich zu durchbrechen“, so der Landtagsabgeordnete der Linken, Marco Büchel. In enger Zusammenarbeit mit der Rathenau Stift GmbH, dem Schloss Bad Freienwalde und der Rosa- Luxemburg-Stiftung gelang es ihm, die Ausstellung nach Bad Freienwalde zu holen. Es sei der richtige Ort und die richtige Zeit für die Ausstellung, sagte Büchel zur Eröffnung. Das Schloss hätte einst Walter Rathenau gehört, einem jüdischen Politiker, der von Nazis ermordet wurde. Und die Zeit für eine solche Ausstellung sei reif, wenn Rechtspopulismus und rechtes Gedankengut salonfähig werden. Als Vater von zwei Kindern sei es schwer sich vorzustellen, sich von ihnen zu trennen. Er bewundere den Mut der leiblichen jüdischen Eltern, die ihre Kinder so vor dem sicheren Tod bewahrt hätten. Ebenso bewundere er die polnischen Familien, die diese Kinder aufzogen. „Wenn ich von meinen Eltern spreche, meine ich meine zweiten Eltern, andere habe ich nicht gekannt. Von ihnen bekam ich alles: ein Zuhause, Ausbildung und das Vorbild für ein anständiges Leben in Würde“, ist das Bekenntnis von Joanna Sobolewska-Pyz Die Rosa-Luxemburg-Stiftung half bei der Finanzierung und Realisierung der Ausstellung. Sie wurde erstmalig im Januar dieses Jahres in Deutschland, im Potsdamer Landtag gezeigt. „Uns war es wichtig, dass wir die Ausstellung zum Internationalen Holocaust- Gedenktag eröffnen konnten“, so Detlef Nakath vom Vorstand der Stiftung. Das habe Wünsche ausgelöst, die Schau an weiteren Orten zu zeigen. Eine Version in polnischer Sprache wird zudem im ehemaligen Vernichtungslager Treblinka und eine englischsprachige Fassung in Israel gezeigt. Aufklärungsarbeit sei nach wie vor wichtig. Er freue sich, dass zu dieser Ausstellungseröffnung so viele junge Menschen gekommen seien. Es zeige, dass es ein Interesse an diesen Themen gebe. Etwa 100 Besucher, Schüler und Lehrer des Brecht-Gymnasiums, Bad Freienwalder Bürger und Lokalpolitiker, unter ihnen Landrat Gernot Schmidt (SPD), waren Gäste der Veranstaltung. Die Ausstellung im Schloss Freienwalde ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

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