Nachrichten - Kunst & Kultur

Kulturpolitischer Nachmittag im Oderbruch Museum Altranft

Auf der Suche nach Kultur, Heimat, Identität

Datum: 26.04.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Altranft (ma). Das Schloss Altranft war am Montag der Austragungsort eines „Kulturpolitischen Nachmittags“ zur Refl exion seiner jüngsten Entwicklung. Eingeladen hatte die Initiative „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“ der Kulturstiftung des Bundes und das Oderbruch Museum Altranft. Bereits zweieinhalb Jahre nimmt das Museum am Trafo-Programm teil. Seither ist viel passiert: Das Museum hat seine Sammlung neu strukturiert, es baut ein Netzwerk aus Heimatstuben, Vereinen und Kommunen zum Kulturerbe Oderbruch auf und bearbeitet jährlich wechselnde Themen zur Region und seiner Geschichte. Zudem ist es mit seinem Bildungsprogramm wie „Heim(at) arbeit“ und der Museumswerkstatt ein Anlaufpunkt für Schulen geworden, die ihren Schülern Wissen über die eigene Region nahebringen wollen.

Die etwa 70 Besucher konnten sich vor Beginn der Tagung eine Stunde lang im Museum umsehen und mit seinen Mitarbeitern über die geänderte Programmatik der Einrichtung ins Gespräch kommen. Das Museum selbst stand an diesem Tag beispielhaft für die fünf deutschlandweiten Projekte des Trafo-Programms. So wie in Altranft, ergeben sich durch die Veränderungsprozesse zentrale Fragen, die diskutiert werden sollten: Welche Bedeutung haben Kulturorte für ländlich geprägte Regionen? Welche Rolle können insbesondere Museen vor Ort übernehmen? Und welche Zukunftschancen sehen die kulturpolitisch Verantwortlichen?

Der Programmleiter des Museums, Kenneth Anders, ordnete für die Besucher die Entwicklung seit 2016 ein. Noch ein Jahr zuvor wollte der Landkreis Märkisch-Oderland als Eigentümer das damalige „Freilichtmuseum Altranft“ schließen. Die künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, Hortensia Völckers, initiierte damals das Trafo-Projekt und nach intensiven Gesprächen mit dem Land, dem Landkreis und dem Team um Kenneth Anders wurde das Museum, als einziger Ort der neuen Bundesländer, in das Programm aufgenommen. „Das wichtige war, dass sich Akteure auf allen Ebenen, im Dorf mit dem Altranfter Traditionsverein, auf kommunaler Ebene mit der Stadt Bad Freienwalde und ihrem nicht unerheblichen finanziellen Anteil, der Landkreis, das Land und der Bund auf diesen Prozess eingelassen haben. Nicht zuletzt die vielen Menschen aus dem Oderbruch“, resümierte Anders. Das sei nicht immer konfliktfrei abgelaufen, aber es sei gelungen mit einem neuen Trägerverein das Museum neu zu formatieren. Es lohne sich nun darüber zu sprechen, welche Perspektive der weitere Prozess hätte, auch unter den derzeit wieder politisch diskutierten Begriffen Kultur, Heimat und Identität.

„Alle Beteiligten schauen gemeinsam auf diesen Ort, um das Potential auszuschöpfen. Das ist interessant, weil es einen Labor-Charakter hat“, ergänzte Hortensia Völckers.

Solch ein Museum müsse Zusatzaufgaben bekommen und auch andere Dinge machen. „Es wird in den nächsten zwei Jahren interessant werden, was das sein könnte. Wenn das Museum einen Werkstatt- Charakter haben soll, müssen ständig Interventionen stattfi nden. Das heißt, es treffen sich hier Leute, es wird ein Begegnungsort“, so Völckers. Das wären völlig neue Aufgaben für eine solche Einrichtung. Darauf müsse man sich einigen. „Wird es etwas anderes oder bleibt es in zwei Jahren ein Museum im herkömmlichen Sinne“, fragte die künstlerische Direktorin der Kulturstiftung. Sie und die Menschen, die das Projekt unterstützen, wollten andere begeistern und dafür sorgen, dass es die Einrichtung weiterhin gäbe.

Vor der Podiumsdiskussion hielt Kristina Volke, Publizistin und stellvertretende Kuratorin der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages einen Vortrag über die Bedeutung öffentlicher Kultureinrichtungen für die ländlichen Räume und Kurt Winkler, der Leiter des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, über die Rolle und neue Aufgaben von Museen in ländlichen Regionen.

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