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Datum: 27.04.2018
Rubrik: Kunst & Kultur

Mittelalterliche Malereien bringen Farbe in die Kirche

Stadtkirchensanierung schreitet voran – Archäologen fündig geworden – offene Türen am 5. Mai


Altlandsberg (sd). Die Sanierungsarbeiten an der Stadtkirche Altlandsberg schreiten voran, im Chorraum werden Malereien und Farbgestaltung wieder zum Vorschein gebracht und im Kirchenschiff untersuchen Archäologen den Untergrund des alten Kirchenbodens. Zum Tag der Städtebauförderung am Samstag, 5. Mai sollen die Tore der Stadtkirche allen Interessierten Besuchern geöffnet werden.


Das Kirchenschiff der Altlandsberger Stadtkirche ist kaum wiederzuerkennen: Etwa 60 bis 70 Zentimeter unterhalb der Linie des historischen Bodens haben archäologische Grabungen einige Überraschungen zu Tage gefördert. Unter anderem wurden Fundamente freigelegt, um zu prüfen, wo eventuell noch Ausbesserungsarbeiten nötig sind, bevor der neue Fußboden installiert werden kann. „Auffällig war, dass die Mauerfundamente auf der Südseite deutlich ordentlicher erscheinen", erklärt Pfarrer Johannes Menard, der die Maßnahmen begleitet.


Wie sich herausstellte, müssen alle Fundamente mit Beton gefestigt werden, da es bei Regen besonders auf der Nordseite starken Wassereinbruch gibt. Schon bei Voruntersuchungen wurden sogenannte Störungen im Untergrund sichtbar, die sich nun als Grabstätten entpuppten.


Neben hölzernen Überresten von Grabgelegen sorgte eine knapp zwei Meter hohe und rund 30 Zentimeter dicke Grabplatte kurz vor dem Übergang zum Chorraum für Aufsehen. Gemäß Inschrift handelt es sich um die Platte Hans von Krummensee, also jener Familie, welche die Stadt besaß, bevor sie an Freiherr Otto von Schwerin verkauft wurde. In vielen Kirchen sei es üblich gewesen, Grabplatten im Boden einzulassen, wie René Koht ergänzt. Für die Stadtgeschichte seien die Funde sehr interessant, zumal über die Zeit vor 1646, als die Stadt verkauft wurde, nur wenige Einzelheiten bekannt sind.


Bei den Grabungen wurden schon jetzt viele Funde gemacht, die ein kaum gekanntes Bild der Geschichte eines der ältesten Bauten der Stadt nachzeichnen. In einem nächsten Schritt soll sogar die Kanzel umgesetzt werden, um auch den dortigen Untergrund näher untersuchen zu können. Schon bei anfänglichen Untersuchungen wurde aufgedeckt, dass sich die Kanzel früher gegenüber vom heutigen Standort an einem Stützpfeiler im Kirchenschiff befunden haben muss. Bereits jetzt ziehen sich die Grabungsarbeiten hin, so dass der gesamte geplante Bauablauf in Verzug gerät. „Wir fürchten, dass der ursprüngliche Wiederöffnungstermin um Weihnachten dieses Jahres herum nicht ganz zu halten ist", ergänzt Johannes Menard.


In einem nächsten Schritt wechseln die Restauratoren vom Chorraum ins Kirchenschiff und tauschen mit den Archäologen die Arbeitsplätze. Doch zunächst müssen die Ausgrabungen beendet und der Boden soweit aufgeschüttet werden, dass die Gerüste umgesetzt werden können. Der Boden wird etwa 30 Zentimeter mit Glasschotter aufgefüllt, um einen stabilen und kapillarbrechenden Untergrund herzustellen, wie Menard und Koht ausführen. Darauf kann anschließend die Fußbodenheizung verlegt werden. Ursprünglich war der Gerüstumzug für die Woche nach Ostern avisiert. Im Chorraum werden indes noch aufregendere Funde vermutet, wie Pfarrer Menard berichtet.


Die konservativen und restauratorischen Arbeiten im Chorraum förderten an der Ostwand große mittelalterliche Darstellungen zu Tage, die bislang nur teilweise bekannt waren. Zu den Besonderheiten zählt eine Strahlenkranzmadonna, die so andernsorts in der Region nicht zu finden ist, wie Restauratorin Alicia Pasternak ausführt. „Das Wappen mit einem Doppeladler auf der gegenüberliegenden Seite des großen Fensters als weltliches Hoheitszeichen ist ungewöhnlich", so die Fredersdorfer Restauratorin weiter. An einer Deckenrippe konnte ein zuvor unbekannter Vermerk freigelegt werden, nach dem die Einwölbung auf das Jahr 1503 datiert ist.


„Ziel ist es, die ursprüngliche Farbgestaltung aus dem Mittelalter wieder sichtbar zu machen", erklärt Alicia Pasternak und deutet auf eine wiederhergestellte Deckenrippe, die nicht dunkelrot, sondern bunt wie ein Regenbogen ist. „Im Kirchenschiff waren die Rippen tatsächlich rot gehalten, hier im Chorraum hingegen bunt. Diesen ursprünglichen Hingucker wollen wir wiederherstellen", so Alicia Pasternak. Die Farben entsprechen gefundenen Pigmenten, wie sie im Mittelalter direkt auf den Stein aufgetragen wurden. Die Arbeiten erfordern eine ständige Rücksprache mit der Denkmalpflege. Unter anderem werde überlegt, einzelne Elemente wie Schablonenmalerei aus dem 19. Jahrhundert an einem Fenster, Gewölbeschriftzüge und mittelalterliche Graffiti – sogenannte Ritzungen – als eine Art Zeitfenster in die Gesamtgestaltung einzufügen. So soll auch die Frage geklärt werden, ob im Kirchenschiff noch ältere Malereien vom Ende des 13. Jahrhunderts vorhanden sind.


Anlässlich des Tages der Städtebauförderung am Samstag, 5. Mai sollen die Tore der Stadtkirche geöffnet werden. In der Zeit von 14 bis 16 Uhr haben Interessierte so die Möglichkeit, sich über den Sanierungsfortschritt und bisherige Erkenntnisse zu informieren. Für Gruppen bis zu zwölf Personen soll es Führungen mit der Restauratorin Alicia Pasternak und dem Architekten Manfred Thon geben. Die Mitglieder des Freundeskreises Stadtkirche Altlandsberg e. V. bereiten Kaffee und Kuchen vor.



BU: Alicia Pasternak zeigt auf die rekonstruierten bunten Deckenrippen, die im Kontrast zu den bisherigen roten Rippen stehen. Im Hintergrund bearbeitet eine Restauratorin die freigelegten Malereien an der Ostwand im Chorraum. Foto: BAB/sd


 


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