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Datum: 06.11.2018
Rubrik: Gesellschaft

Erinnerung und Mahnung bis heute

Auftaktsammlung zur Kriegsgräberfürsorge – 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs

Strausberg (sd). Mittlerweile schon traditionell machen sich Vertreter der Bundeswehr und der Deutschen Kriegsgräberfürsorge auf, um Spenden zu sammeln. Nicht nur 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges gehe es darum, den Frieden zu wahren und vor Krieg und seinen Folgen zu mahnen.

Mit den blauen Sammeldosen wird derzeit wieder für die Arbeit der Freiwilligen der Deutschen Kriegsgräberfürsorge

herumgegangen und gesammelt. Mit Beiträgen und Spenden, Einnahmen aus Erbschaften und Vermächtnissen sowie den Erträgen aus der jährlichen Haus- und Straßensammlung finanziert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zu etwa 70 Prozent seine Arbeit. Der Rest wird aus öffentliche Mittel des Bundes und der Länder gedeckt.

Dabei wurde die gemeinnützige Organisation am 16. Dezember 1919 eher aus der Not heraus gegründet. Weder politisch noch wirtschaftlich war die noch junge Deutsche Regierung in der Lage, sich um die Gräber der zahlreichen Gefallenen zu kümmern. Diese Aufgabe übernahmen fortan die Aktiven des Volksbunds, der sich als eine vom ganzen Volk getragene Bürgerinitiative verstand.

Bis Anfang der dreißiger Jahre baute der Volksbund zahlreiche Kriegsgräberstätten aus. Ab 1933 unterwarf sich die Führung des Volksbundes aus eigenem Antrieb der Gleichschaltungspolitik der NS-Regierung. Die Errichtung von Soldatenfriedhöfen des Zweiten Weltkrieges übernahm der Gräberdienst der Wehrmacht.

Ab 1946 legte der Volksbund in kurzer Zeit über 400 Kriegsgräberstätten in Deutschland an. Die Bundesregierung beauftragte 1954 den Volksbund, die deutschen Soldatengräber im Ausland zu suchen, zu sichern und zu pflegen – heute über 830 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,7 Millionen Kriegstoten. Mehrere tausend ehrenamtliche und 567 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllen die vielfältigen Aufgaben der Organisation und helfen auch Angehörigen, Klarheit zu bekommen.

Schon seit Jahren kommen Vertreter des Volksbundes, der Bundeswehr und auch der Stadtverwaltung in Strausberg zusammen, um zum Auftakt der Aktion zu sammeln. Noch gar nicht lange wartete Oberst Hagen Bräuer am Treffpunkt, als gleich eine Passantin kam und einen 20-Euro-Schein in seine Sammeldose steckte. Doch nicht immer ist das Verständnis für die Sammlung so groß. Immer wieder sprechen die Unterstützer Passanten jedes Alters auf der Straße an, erklären ihre Absicht und bitten um Mithilfe. Das Spektrum der Reaktionen reicht dabei von sofortigem Abnicken und Kopfschütteln, über offene Diskussionen – auch über den Sinn der Bundeswehr – bis hin zu sofortiger Spendenbereitschaft.

„Dieser Tage vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg. Viele Menschen sind gestorben, Kameraden für Volk und Heimat gefallen - auch in ihrer Pflichterfüllung“, leitet der Standort-älteste Brigardegeneral Uwe Nerger ein. Vor allem gelte es, den Gefallenen eine angemessene Ruhestätte zu schaffen und damit gleichzeitig zu mahnen, welche verheerende Folgen Kriege haben. „Wir müssen damit werben, den Frieden zu erhalten, zumal die Menschen, die Krieg und seine Folgen erlebt haben, immer weniger werden“, so Nerger weiter.

Auch Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler spendete, bevor sie sich mit auf die Sammlung in der Altstadt begab. An ihrer ersten Station füllte Ramona Brendel, Leiterin der Sparkassen-Hauptgeschäftsstelle, die Spendendosen weiter. Auch Vorstandsmitglied Reinhard Kampmann löste sich für ein paar Momente von einer Sitzung. „Für den guten Zweck immer“, unterstreicht Kampmann.

Unterdessen sammelten Oberst Bräuer und sein ziviler Kollege Roberto Döhring entlang der großen Straße. Auch kleine Summen und Münzen zählen, konnten sie so manchen zur Spende bewegen. Auffällig waren da einzelne, die sofort ablehnten und sogar betonten, „kein Verständnis dafür“ zu haben.

Herbert Steppacher zögerte nicht lange und öffnete gleich sein Portemonnaie. Auch als Reservist schätzt er die Arbeit des Volksbundes und hilft, wo er nur kann. Mit einer Gedenkveranstaltung in Sachsen erinnern er und andere Aktive regelmäßig an zivile und militärische Opfer der Kriege gleichermaßen.

„Etwas Gutes tun, tut nicht weh“, erklärt Erik Schulz. Es solle mehr getan werden, weiß der 16-jährige Schüler und schränkt ein, dass heutige Generationen ein ganz anderes Verhältnis zu den Kriegen und ihren Folgen haben. „Keiner von uns hat das erlebt und muss es hoffentlich nie erleben“, sagt der Schüler. Gleichzeitig drückt er aus, sich mit dem Thema näher befassen zu wollen.

BU: Ohne lange zu zögern, gab auch Torsten Stemmer eine Spende in die Dose von Roberto Döhring (rechts).    Foto: BAB/sd

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