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Datum: 21.11.2018
Rubrik: Gesellschaft

Abkühlung durch Wald und Wasser

Projekt „Bernau. Pro. Klima.“ ging mit Auswertung einer Thermokarte in zweite Runde

Bernau (fw). Der Klimawandel ist in aller Munde. Die Temperatur auf der Erde steigt seit Jahrzehnten langsam an und die Folgen sind auch in der Region zu spüren. So verzeichnete der Barnim einen der heißesten und trockensten Sommer seit vielen Jahren. Wenn es dann doch mal regnet, fällt so viel Wasser pro Quadratmeter, dass es zu Überschwemmungen kommt. Im Oktober 2017 hatte die Region außerdem mit heftigen Stürmen zu kämpfen. Das Klima wird scheinbar immer extremer und dadurch wird den Menschen bewusst, dass der Klimawandel kein abstrakter Vorgang ist, sondern konkrete Auswirkungen auf ihr Leben hat.

Die Stadt Bernau hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt. Seit Anfang des Jahres läuft das Projekt „Bernau. Pro. Klima.“, das gemeinsam mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde durchgeführt wird. Ziel ist es, Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Nachdem im Mai dieses Jahres ein erster Workshop stattfand, ging es am Dienstag weiter. Diesmal standen klimatische Aspekte bei der Stadtentwicklung im Fokus. Die Grundlage bot Steffen Kriewald vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der eine Thermokarte von Bernau vorstellte. Sie zeigt, welche Stellen der Stadt sich im Sommer besonders stark aufheizen und wo Abkühlung zu finden ist. Die Daten wurden durch einen Satelliten geliefert, der über fünf Jahre alle 16 Tage ein „Foto“ von Bernau machte. So kamen in den Sommermonaten im Durchschnitt 30 Aufnahmen mit guter Auflösung zusammen.

Der Hotspot, also der Punkt, der sich am meisten aufheizt, befindet sich rundum Weber Motor. Vor dem Unternehmen ist ein großer Asphaltparkplatz und im Umfeld sind viele großflächige schwarze Dächer zu finden, die sich bei Hitze besonders stark aufheizen. Dazu kommt eine dichte Ansiedlung von Gewerbe und Wohnhäusern an der Viehtrift. Auch der Bernauer Bahnhofsvorplatz heizt sich bei Sonnenstrahlung stark auf. Abkühlung bieten hingegen Waldflächen sowie Gewässer aller Art. Auch in einigen Teilen des Blumenhags ist es vergleichsweise kühl, da dort eine lockerer Baustruktur vorherrscht.

Nun ist die Frage, wie sich diese Erkenntnisse zukünftig auf die Stadtplanung auswirken. Wichtig sei es laut Kriewald das Mikroklima und die Luftbewegung zu beachten. So sollte beispielsweise kein Altenheim neben die Bernauer Mülldeponie gebaut werden, die im Schnitt sechs Grad wärmer ist als die Umgebung. Allgemein sollte darauf geachtet werden, Kaltluftschneisen zu erhalten, so dass eine Zirkulation möglich ist, die Abkühlung bringt. Auch Grünflächen seien essenziell für ein kühleres Stadt-Klima.

In den nächsten Monaten schließen sich weitere Workshops an, bei denen die Bürger weiterhin einbezogen werden. So geht es beispielsweise am Mittwoch, dem 28. November 2018, im Dorfgemeinschaftshaus Birkholz ab 18.30 Uhr um die Landwirtschaft. Im Januar und Februar 2019 schließen sich weitere Veranstaltungen zu den Themen Wälder und Gewässer an. Das Projekt läuft noch bis Ende 2019. Dann soll nicht nur die Bernauer Stadtverwaltung etwas in der Hand haben, um dem Klimawandel entgegen zu wirken, sondern auch die Bürger.

Foto: Frank Wollgast

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