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Datum: 16.11.2018
Rubrik: Gesellschaft

Kaisergeburt statt Kaiserschnitt

Neue Entbindungsmethode in Frauenklinik MOL Krankenhaus Strausberg

Strausberg (e.b./kti/sd). Mit der sogeannten Kaisergeburt wird im Krankenhaus Strausberg seit Kurzem eine Methode geboten, bei der das „bewusste Geburtserlebnis“ mehr erhalten bleibt. Ein kleines Detail führt zu einem großen Unterschied.

Die Geburt eines Kindes ist einzigartig. Es ist ein besonderer Moment, wenn Mutter und Kind einander anschauen, während der Nachwuchs auf der Brust der Mutter liegt. „Das ist ein sehr intimer und wichtiger Augenblick. Der Kontakt setzt so viele Glückshormone frei“, berichtet Professor Janusz Bartnicki, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im MOL Krankenhaus Strausberg.

Der Gynäkologe hat in mehr als drei Jahrzehnten als Geburtshelfer und Gynäkologe schon über tausend Kindern auf die Welt geholfen. Nicht wenige von ihnen wurden per Kaiserschnitt geboren. „Die klassische Variante war bisher die“, erklärt er, „OP-Saal, Anästhesie, Schnitt. Das gerade geborene Kind wurde zur Versorgung durch die Hebamme in einen anderen Raum gebracht. Die Mutter hat das Kind erst nach Stunden wirklich in den Arm nehmen können.“ Ein bewusstes Geburtserlebnis hatten die Mütter dabei nicht.

Professor Bartnicki geht jetzt andere Wege und setzt auf die Kaisergeburt, die in Deutschland vor allem durch Professor Wolfgang Henrich, dem Direktor des Geburtszentrums der Berliner Charité, etabliert worden ist. Im Kern handelt es sich dabei immer noch um einen Kaiserschnitt. „Aber ein kleines Detail hat eine riesengroße Wirkung“, ist der Strausberger Chefarzt sicher.

Bei der Kaisergeburt wird das Kind nach Öffnung der Bauchhöhle unter den Blicken der Mutter auf die Welt gehoben. „Das geschieht ganz langsam. Und ich drehe das Gesicht des Kindes in Richtung Mutter“, erläutert Bartnicki. Der Professor ist überzeugt, den per Kaiserschnitt Gebärenden dadurch ein bewussteres Geburtserlebnis zu ermöglichen als es beim klassischen Kaiserschnitt der Fall ist. Das Kind bleibt auf der Brust der Mutter liegen, der Vater durchtrennt die Nabelschnur.

„Dass wir Mediziner nicht schon eher auf diese doch so einfache Methode gekommen sind, erstaunt mich selbst“, sagt der Chefarzt und lobt in höchsten Tönen die Kaisergeburt, die englische Wurzeln hat.

Er ist sich auch sicher, damit in Strausberg zwar Neuland zu betreten, nicht jedoch für eine Anhebung der Kaiserschnittquote zu sorgen. „Kaiserschnitte führen wir fast ausnahmslos in medizinisch begründeten Fällen durch. Das sind 23 Prozent aller Geburten und damit deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt von über 33 Prozent“, so der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde weiter. Ausgeschlossen sei die Kaisergeburt bei Notentbindungen oder einer Vollnarkose.

Sarah H., ist eine der ersten Frauen, die in Strausberg eine Kaisergeburt erlebten: „Es war

einfach sehr schön, den Kleinen die ganze Zeit zu sehen“, sagt die 29-Jährige, die sich am Tag nach dem Eingriff schon gut fühlt. Levian ist das zweite Kind des Paares. „Er ist ein Geschenk für uns“, freut sich der frischgebackene Kindsvater. „Im Vergleich zum ersten Kaiserschnitt, welcher in klassischer Art und Weise erfolgte, war dies ein ganz besonderes Erlebnis. Da muss man allen Beteiligten einfach nur danken“, sagen die glücklichen Eltern.

Die Kaisergeburt in Strausberg wird unter Federführung von Professor Bartnicki durchgeführt. In Zusammenarbeit mit einem Team, bestehend aus Geburtshelfern, Hebammen, Anästhesisten und OP-Pflege, soll die Methode ab sofort allen werdenden Müttern angeboten werden, bei denen aus medizinischer Indikation keine Spontangeburt möglich ist.

BU: Glückliche Mutter: Stefanie H. mit Sohn Levian (Mitte) ist begeistert von der neuen Behandlungsmethode von Professor Janusz Bartnicki (rechts).      Foto: e.b./Krankenhaus MOL

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