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Datum: 28.11.2018
Rubrik: Gesellschaft

Eine außergewöhnliche Persönlichkeit

Bundesverdienstkreuz am Bande für Marianne Buggenhagen

Bernau (fw). Die Liste der sportlichen Erfolge von Marianne Buggenhagen ist lang: 14 Medaillen bei Paralympischen Spielen in Barcelona, Atlanta, Sydney, Athen, Peking, London und Rio de Janeiro, insgesamt 24 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen bei Welt- und Europameisterschaften für Behinderte und die Auszeichnung zur Sportlerin des Jahres im Jahr 1994 - vor Franziska von Almsick und Steffi Graf. Kürzlich kam eine weitere Errungenschaft für die querschnittsgelähmte Leistungssportlerin dazu. Sie wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande für ihre sportliche Laufbahn und ihr soziales Engagement ausgezeichnet. Den Vorschlag machte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Sie habe dazu beigetragen, dass der Behindertensport Respekt und Wertschätzung erfuhr und gleichberechtigt gefördert wird.

Die Ehrung im Bernauer Ratssaal nahm vergangene Woche Dienstag Britta Ernst, Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg vor. In ihrer Rede nannte sie Buggenhagen eine „außergewöhnliche Persönlichkeit mit einer beeindruckenden Bilanz.“ Damit bezog sich die Politikerin sowohl auf die sportlichen Leistungen, als auch auf ihren Einsatz in der Jugend- und Sozialarbeit. Schon seit langer Zeit engagiert sich die 65-jährige Leistungssportlerin im Bildungsbereich. Zwei Schulen in Darlingerode im Harz und in Berlin-Buch tragen ihren Namen. Mit ihrer Projekttour „Gemeinsam Sport treiben“ vermittelt sie Schülern anhand eines Rollstuhl-Parcours, wie beschwerlich das Leben im Rollstuhl sein kann. Damit will sie Verständnis schaffen und Barrieren im Kopf abbauen. Seit 2016 engagiert sie sich im Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein e.V., nimmt im Behinderten-Sportverband die Berufung der Landeskader im Schwimmen und in der Leichtathletik vor und betreut rollstuhlfahrende Sportler.

Auch auf lokaler Ebene kennt ihr Engagement kein Ende. So bringt sich die Rollstuhlfahrerin beispielsweise im Behindertenbeirat der Stadt Bernau ein, hilft beim integrativen Sportfest in Schönow mit und leitet eine Selbsthilfegruppe. Mit all diesen Aktivitäten trägt sie dazu bei, dass die Stimmen von Menschen mit Handicap gehört werden. „Es ist wichtig, dass sich Betroffene darum kümmern, da sie am besten wissen, wo es noch etwas zu tun gibt“, sagte die gebürtige Ückermünderin nach ihrer Auszeichnung. Bürgermeister André Stahl zeigte sich stolz darauf, dass eine der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Leistungssportlerinnen mit einer Behinderung in Bernau lebt und nannte sie eine Kämpfernatur. „Sie gibt Lebensmut und das ist besonders wichtig für Menschen, die vom Schicksal hart getroffen wurden“, sagt er.

Buggenhagens Dank galt ihrem Mann Jörg, ihrer Familie, den Freunden und ihren Trainern: „Sie haben einen großen Anteil an meiner Entwicklung und an meinem Erfolg“. Die Sportbegeisterung bringt die gelernte Krankenschwester aber von Haus aus mit. So wurde Volleyball in den 1970er-Jahren zu ihrem Parade-Sport. Durch eine Krankheit wurde sie 1976 querschnittsgelähmt, ein Jahr später begann sie mit Rollstuhlsport. Dieser Schritt half ihr zurück ins Leben zu finden. Nachdem sie sich erst für Basketball begeisterte widmete sich Buggenhagen der Leichtathletik. In den Disziplinen Speer- und Diskuswurf sowie Kugelstoßen feiert sie ihre größten Erfolge. Da Behindertensport in der DDR nicht als Leistungssport anerkannt war, startete sie ab 1992 auf internationaler Ebene durch und beendete ihre Laufbahn nach den Paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, wo sie im Alter von 63 Jahren eine Silbermedaille im Kugelstoßen gewann. Trotz all ihrer überragenden Errungenschaften hat die Bernauerin trotzdem noch ein wichtiges Ziel: den Angelschein.

Foto: Frank Wollgast

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