Regionalwetter

Nachrichten

Datum: 29.11.2018

Nun alle 20 Minuten Anschluss

Bustakte im Raum Neuenhagen, Fredersdorf-Vogelsdorf und Hoppegarten zu Stoßzeiten verdichtet – Gemeinden investieren

Hoppegarten (sd). Mit dem Fahrplanwechsel diesen Sonntag, 9. Dezember gibt es in Hoppegarten, Neuenhagen und Fredersdorf-Vogelsdorf bessere Busanschlüsse zu den S-Bahnhöfen. Insgesamt investieren die drei Kommunen rund 1,3 Millionen Euro in die notwendige Taktverdichtung.

„Alle 20 Minuten in die City“ kündigt die Leuchtschrift auf dem Bus am Bahnhof Hoppe-garten an. Als „freudigen Anlass“ bezeichnet Rainer Schinkel die symbolische Rundfahrt. Außerdem spricht der Beigeordnete des Landkreis Märkisch-Oderland von einer „deutlichen Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im berlinnahen Raum mit dem kommenden Fahrplanwechsel. Doch während der Landkreis als Auftraggeber der Verkehrsunternehmen zusätzliche Leistungen bestellt und so das ÖPNV-Netz den Anforderungen anpasst, investieren drei Kommunen selbst in einen dichteren Bustakt.

Etwa 6.000 Ein- und Auspendler nutzen tagtäglich die S-Bahnverbindungen im berlinnahen Raum. Alle 20 Minuten nach Berlin zu fahren, sei für die meisten Menschen ganz normal, doch auf dem Weg zum Bahnhof tauchen Komplikationen auf, die Hoppegartens Bürgermeister Karsten Knobbe erklärt: „Busse fahren nur alle halbe Stunde oder Stunde - da ist die S-Bahn meist weg. So wird oft mit dem Auto zum Bahnhof gefahren.“ Einig sind sich die amtierenden Bürgermeister Knobbe, Ansgar Scharnke (Neuenhagen) und Thomas Krieger (Fredersdorf-Vogelsdorf), dass in ihren Gemeinden, die stark vom Zuzug geprägt sind, eine leistungsfähige Infrastruktur vorhanden sein müsse. Zudem mache ein gutes ÖPNV-Netz die Fahrt im Auto unattraktiv und reduziere so die Verkehrsbelastung der Gemeinden.

Bereits 2015 wurden Studien und Untersuchungen beauftragt. Nach langer Vorlaufzeit kam der neue Bustakt dann innerhalb eines knappen halben Jahres, wie Karsten Knobbe und Rainer Schinkel ausführen. „Das ist nur der Auftakt“, betont Schinkel mit Blick auf den neuen Nahverkehrsplan, der voraussichtlich am 12. Dezember mit einem Kreistagsbeschluss auf den Weg gebracht wird. „Drei Gemeinden haben hier mit dem Landkreis gemeinsam etwas für die Bürgerinnen und Bürger auf die Beine gestellt“, fasst Neuenhagens Bürgermeister Ansgar Scharnke zusammen und betont. „Wir haben erstmals eine leistungsfähige Alternative zum Auto.“ Natürlich müsse der Zuspruch abgewartet und an einigen Stellen, wie Fahrradstellplätzen, nachjustiert werden. Auch im berlinnahen Raum sollen die grünen Gemeinden weiterentwickelt werden. Von einem „Signal, das Beste aus zwei Welten zu verbinden“ spricht Scharnke weiter.

Dass die Gemeinden den „Landkreis mit ihrem Vorstoß bewusst unter Druck setzen,“ sieht Rainer Schinkel mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ und kündigt Verbesserungen mit dem Fahrplanwechsel 2019/20 an.

Auch sollen die randberliner Gemeinden künftig stärker vom Landkreis unterstützt werden, wenn sich die Taktverdichtung bewährt. Zunächst wurden 1,3 Millionen Euro - also knapp eine halbe Million pro Gemeinde - zusätzlich in die Haushaltspläne aufgenommen. Erstmal für ein Jahr, bis zum nächsten Fahrplanwechsel ist das Zusatzangebot damit finanziert. Auch für eine Gemeinde wie Hoppe-garten, die mit einem Haushalt von 36 bis 38 Millionen arbeite, sei das „keinesfalls eine kleine Mehrbelastung im Haushalt“, ergänzt Karsten Knobbe. Doch die Gemeindevertreter hätten die Notwendigkeit erkannt, sodass die Einstellung der zusätzlichen Gelder verhältnismäßig reibungslos vonstattenging.

„Hier wurde ein richtiger Schritt mit der Ausweitung des Angebots, vor Entstehen der Nachfrage getan“, sagt Daniel Kunath. Auch für mobus als zuständiger Anbieter im Busverkehr, ergeben sich mehrfache Veränderungen, wie Geschäftsführer Daniel Kunath ausführt. „Wir haben unser Personal von 100 auf 120 aufgestockt und zehn neue Busse gekauft“, so Kunath. Da die Taktverdichtung sich auf die Stoßzeiten von 5.30 bis 8.30 Uhr und 14 bis 19 Uhr konzentriert, sei es vor allem eine große Aufgabe, die Dienstpläne der Busfahrer entsprechend anzupassen. „Wir haben das in gut einem halben Jahr von der Vertragsunterzeichnung bis zur ersten Fahrt umgesetzt. Normalerweise dauert so etwas deutlich länger. So können die Leute deutlich ruhiger in die Stadt kommen und der Verkehr der Gemeinden wird entlastet“, ergänzt Daniel Kunath. Die Taktverdichtung bedeute eine Verdreifachung der Leistung des Busunternehmens.

Der dichtere Takt soll nicht nur Pendlern, sondern auch Schülern zugutekommen. So fahren unter der Woche in den Ferien nur zwischen 15 und 19 Uhr die Busse alle 20 Minuten. Am Wochenende bleibt zunächst alles, wie gewohnt. Mit dem Probebetrieb rechne sich die Taktverdichtung wirtschaftlich noch nicht. Doch die Verantwortlichen von mobus hoffen auf Mehreinnahmen aus Ticketverkäufen, wenn das Angebot so angenommen wird, wie gehofft. Nach der langen und aufwändigen Planung liege nun ein gewisses wirtschaftliches Risiko bei den Protagonisten, wie Karsten Knobbe ausführt. „Wir hoffen, dass das Angebot gut angenommen wird. ÖPNV ist auch ein Stück Aufgabe der Kommunen und wir müssen weiter investieren“, so Knobbe.   Im Rahmen der Taktverdichtung wurden gleichzeitig einige Linienführungen optimiert, wie es weiter heißt. Doch teils müssten auch Kompromisse eingegangen werden, wie auf Nachfragen zur Seniorenfreundlichkeit der Busse und Routen eingeschränkt wird.

Im Beitrag des ODF Lokalfernsehens geht es vom Bahnhof Hoppegarten ein Stück weit auf der künftigen 20-Minuten-Strecke entlang. Einfach dem Link folgen und direkt ansehen: https://www.odf-tv.de/mediathek/31539/Alle_20_Minuten_in_die_City.html

BU: Vorab schon mal gefahren: mobus-Geschäftsführer Daniel Kunath (Zweiter von rechts) mit Karsten Knobbe (Vierter von rechts) und Ansgar Scharnke, die symbolisch den neuen Streckenplan hochhalten.      Foto: BAB/sd

 

Weitere Meldungen aus dieser Rubrik

Radweg nach Altlandsberg nicht vor 2018

Fredersdorf-Vogelsdorf (lh). Der fehlende Radweg zwischen Fredersdorf-Nord und Altlandsberg erregt schon... [zum Beitrag]

Tempo 99 statt 50

Hoppegarten/MOL (e.b./apr/sd). Überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor eine der häufigsten... [zum Beitrag]

Erster Abschnitt ist geschafft

Rehfelde (sd). Zwischen der Karl-Liebknecht- und der Strausberger Straße wurde der erste Bauabschnitt... [zum Beitrag]

Feuer auf Bauernhof

Erkner. Gesternabend brannte es in Erkner  auf dem Kinderbauernhof im Wiesenweg. Durch das Feuer wurde... [zum Beitrag]