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Datum: 31.01.2019

In der Stadt geht noch mehr

Über die Jugendkonferenz kamen neue Parlamentarier – Wahl am 20. Februar bietet viel Potential

Strausberg (sd).  Für Strausberg eine Premiere ist die Wahl der Vertreter im Kinder- und Jugendparlament (KJP) der Stadt, die am 20. Februar erfolgt. Noch bis 10. Februar können sich Interessierte ab der vierten Klassenstufe mit einem Steckbrief zur Wahl stellen.

Wenn die Strausberger Jungparlamentarier zusammensitzen und Themen ihrer Altersgenossen behandeln, bedarf es vieler Gummibären – als Nervennahrung. Doch bei aller guter Stimmung und dem Spaß ist den Schülerinnen und Schülern immer auch die Ernsthaftigkeit und Wirkung ihrer Entscheidungen bewusst. „Wir arbeiten sehr gut zusammen, es ist immer lustig, doch bei aller Lockerheit stellen wir uns auch ernsten Sachen“, so Melissa Kliche. Die elfjährige Schülerin des Fontane-Gymnasiums ist seit der Jugendkonferenz im vergangenen November aktiv dabei. Schon seit der vierten Klasse hat sie auch die Kinderkonferenzen besucht bis die Jugendkonferenz schließlich den Ausschlag gab und sie sich dem städtischen Gremium anschloss. „Wir können bei Anträgen mitreden, uns einbringen, die Freizeit für unsere Generation und die Stadt mitgestalten“, erklärt sie. Zwar konnten sie noch nicht so viel bewegen, doch das werde sich ändern. Kino sei so ein Projekt: Kinder und Jugendliche müssen bislang weiter fahren, was auch ins Geld gehe, sodass ein Kino in der Stadt wieder ein Ziel ist.

Dass er sich für andere einsetzen kann, bewog auch Lucas Troschke, sich im Parlament zu engagieren. „Es geht um mehr Mitspracherecht, Gleichaltrigen Rechte einzuräumen und mitzubestimmen“, so der 14-Jährige Hennickendorfer, der die Lise-Meitner-Oberschule besucht. „90 Prozent meiner Zeit bin ich in Strausberg und will etwas für die Stadt tun“, ergänzt er.

Ähnlich sieht es auch Emely Schlöricke: „Die Jugendlichen helfen der Stadtverwaltung, geben Anmerkungen und Unterstützung.“ Die 13-jährige Schülerin der Lise-Meitner-Oberschule ist ebenfalls seit der Veranstaltung im November im KJP aktiv. Vor allem lobt sie die „tolle Gesprächsatmosphäre untereinander, bei der alle miteinander reden und auch mal diskutieren, wo es nötig ist“.

Mit dem Paragraf 18a der Brandenburger Kommunalverfassung wird Kindern und Jugendlichen nun sogar gesetzlich ein größeres Mitbestimmungsrecht eingeräumt. „In Strausberg haben wir das bereits einige Jahre, doch nun wird es konkreter“, so Kinder- und Jugendsozialarbeiterin Anja Looke. Konkret ist die Wahl des neuen Kinder- und Jugendparlaments ein erster Schritt. So sollen idealerweise Vertreterinnen und Vertreter aller Strausberger Schulen in dem maximal 32-köpfigen Gremium sein.

„So können wir besser das ganze Stadtgebiet abbilden“, erklärt Anja Looke. Bisher fehlten vor allem Stellvertreter der Grundschulen, die sich ab der vierten Klassenstufe wählen lassen können, führt die Kinder- und Jugendsozialarbeiterin der Stadt aus. Wahlberechtigt sind indes bereits Drittklässler. In einem Steckbrief, der bis zum Sonntag, 10. Februar eingereicht werden muss (Anja Looke, Stadtverwaltung Strausberg, Hegermühlenstraße 58 oder an anja.looke@stadt-strausberg.de), sollen sich Bewerber vorstellen.

Die Wahl selbst am 20. Februar wird mit den Schulen koordiniert. So ist zu klären, in welchen Zeitrahmen gewählt werden darf, ob klassenweise und in welchem Raum. Die Zusammenarbeit mit den Schulen sei teilweise sehr gut, gestalte sich aber vor allem mangels konkreter Ansprechpartner und mit steigenden Schülerzahlen schwieriger.

Erwachsene würden oftmals die Interessen der jüngeren Bürgerinnen und Bürger nicht ganz wahrnehmen, weiß Melissa. „Wir wollen, dass uns zugehört wird, nur so können wir etwas für die künftige Entwicklung tun“, sind sich alle drei Neuparlamentarier einig. Dass nicht nur Erwachsene in der Stadt leben erinnert Lucas mit Blick auf 18a und Emely ergänzt, jeder solle eine Stimme haben.

Doch aus eigener Erfahrung berichten die drei, dass reden eine Sache sei, sich tatsächlich einzusetzen eine ganz andere.  Es gebe überall Kinder, die sich einsetzen wollen, doch nicht so recht trauen, berichtet Melissa. „Sie hören es sich zwar an und sind interessiert, wollen aber selbst nichts tun“, schildert Emely ihre Erfahrungen.

Das spiegle in etwa auch ein Ergebnis der Online-Umfrage wider, wie Anja Looke weiß. Vor allem die Grundschüler zeigten viel Interesse, doch wolle sich kaum jemand in den Gruppen einsetzen. Dass es immer noch Leute gibt, „die nichts davon wissen“, ergänzt Lucas. Die Gründe für den bislang geringen Zulauf zum KJP seien unterschiedlich: Manchen ging es wohl zu schnell, vermutet Emely. Einige der Parlamentarier, die sich bisher stets freiwillig meldeten, stellten ihre Arbeit mit einem Appell den Klassensprechern vor, die in ihren Klassen berichten sollten. Doch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Damit Projekte anzustoßen und zu zeigen, was machbar ist, will indes Melissa für die Arbeit des KJP werben.

Ein erster wirklicher Erfolg der Arbeit der Parlamentarier ist die Realisierung der Skater-Anlage in Hegermühle, die auch rege von Groß und Klein genutzt wird. Über Umfragen und Meinungsbilder von den Schulen will Emely die Arbeit des Kinder- und Jugendparlaments gestalten und alle Schulen einbinden. Es müsse auch Arbeit verteilt werden und eine Balance gefunden werden.  Wie bei den Erwachsenen werde es eine Herausforderung der Parlamentarier, Kompromisse zu finden.

Dazu gehöre es ebenso, die KJP-Vertreter stärker in die Arbeit der Stadtverordneten einzubinden. So wussten die Parlamentarier nichts von der aktuellen Ausschreibung zum Kino, einem Projekt, dass die Jüngsten sich immer wieder wünschen.

Mit Spannung wartet Anja Looke auf den „hoffentlich großen Posteingang“ mit den Steckbriefen am 11. Februar. Eine Chance auf den Einzug ins KJP hat praktisch jede und jeder mit mindestens einer Stimme. Sollten mehr als 32 potentielle Parlamentarier gefunden werden, müsse weitergeschaut werden.

Die Zahl der Vertreter der jüngsten Strausberger richtet sich nach der Anzahl der Stadtverordneten. Ohnehin bleibe abzuwarten, wie viele der Gewählten letztlich tatsächlich „am Ball“ bleiben. Erfahrungsgemäß kristallisiere sich das nach etwa drei Monaten heraus, weiß Anja Looke. „Es ist wichtig, dass alle dabei sind, die Zeit und Bock haben, niemand soll ausgegrenzt werden“, schließt die Strausberger Kinder- und Jugendsozialarbeiterin.

Weitere Informationen gibt es direkt bei Anja Looke sowie den Kinder- und Jugendkonferenzen, die jährlich stattfinden, sowie über die Webseite des Kinder- und Jugendparlaments unter www.jupa-srb.de.

BU: Sehen noch viele Baustellen für Kinder und Jugendliche in der Stadt und setzen sich daher aktiv im Kinder- und Jugendparlament ein: Emely Schlöricke, Melissa Kliche und Lucas Troschke (von links nach rechts).      Foto: BAB/sd

 

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