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Datum: 26.04.2019
Rubrik: Gesellschaft

Über Bundesdurchschnitt und doch noch viel Luft

Ergebnisse des Fahrradklimatests vorgestellt – Radler bemängeln Sicherheit – ADFC-Ortsgruppe sieht Handlungsspielraum

Strausberg (e.b./sd). Alle zwei Jahre werden Radfahrer aufgerufen, ihre Stadt und genutzte Strecken zu bewerten. Beim Fahrradklimatest liegt Strausberg über dem bundesweiten Durchschnitt, doch gibt es noch viele Aufgabenbereiche, die es zu bearbeiten gilt, wie nicht nur Vertreter der ADFC-Ortsgruppe (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) anmerken.

Die Nutzerinnen und Nutzer können wohl am ehesten erkennen, was gut ist und wo noch Nachholbedarf besteht. So auch das Grundkonzept des Fahrradklimatests, der größten Befragung zum Radfahrklima weltweit, die im Herbst 2018 zum achten Mal durchgeführt wurde. Das bundesweite Gesamtergebnis des ADFC-Fahrradklima-Tests 2018 ist leider wenig erfreulich. So habe sich das Fahrradklima, also die Zufriedenheit der Radfahrenden, in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert, ebenso das Sicherheitsgefühl, wie 170.000 Teilnehmer (ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem letzten Test) deutlich machten.

Falschparker auf Radwegen, die schlechte Führung des Radverkehrs an Baustellen und die fehlende Breite von Radwegen sind die am meisten kritisierten Probleme. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein mit dem Rad fahren lassen könne.

Insgesamt ist Strausberg mit einer Gesamtnote 3,71 im Mittelfeld zu finden, während der bundesweite Durchschnitt bei 3,9 liegt. Damit ist die Einschätzung im Vergleich zu 2016 (3,8) annährend konstant geblieben. Dabei haben mit 113 Teilnehmerinnen und Teilnehmern weniger als noch 2016 ihre Eindrücke wiedergegeben. Vor allem einige Aspekte wurden im Vergleich zu anderen teilnehmenden Städten positiver bewertet, wie die Auswertung zeigt.

Dazu gehört beispielsweise die Öffnung der meisten Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung, dass Alt und Jung Rad fahren und der Winterdienst auf Radwegen. Hingegen überdurchschnittlich kritisch wurden die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die Oberfläche der Radwege und das Thema Fahrraddiebstähle gesehen.

In den zwei Jahren seit dem vorherigen Fahrradklimatest gab es in Strausberg aber auch erfreuliche Entwicklungen in Bezug auf den Radverkehr, wie Clemens Rosner von der ADFC-Ortsgruppe ergänzt. Zu nennen seien da die Fertigstellung des Fahrradweges nach Gielsdorf ebenso wie der Beginn der Entwicklung des Radnutzungskonzeptes und die begleitenden Radkonferenzen.

„Ein vorläufiger Arbeitsstand des Radverkehrsnetzes fand am 3. Oktober 2018 am ADFC-Stand auf dem Altstadtfest großes Interesse der Strausberger Radfahrer“, so Rosner weiter. Die Unterstützung der Stadtverordneten für die Radtrasse entlang der ehemaligen Güterbahn sei ein weiterer lobenswerter Aspekt.

Gleichzeitig gäbe es noch andere Gebiete, auf denen „es klemmt“. „Mit der Agenda 2030 wurde vor anderthalb Jahren der Eintritt der Stadt Strausberg in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen Brandenburg beschlossen. Bislang ist jedoch nichts weiter in dieser Richtung geschehen“, führt Clemens Rosner an. Trotz entsprechender Zielstellung in der Agenda 2030 war das Szenario der Verlagerung von innerstädtischem Verkehr auf das Fahrrad und den öffentlichen Personennahverkehr kein Thema in der kürzlich vorgestellten Verkehrsentwicklungsschätzung für Strausberg gewesen.  Weiterer kritischer Punkt ist die Umsetzung des Projekts Walkmühlenstraße: „Es wurde noch so realisiert, als wäre dort keine Hauptroute für den Radverkehr in Strausberg vorgesehen“, so der Vertreter der Strausberger der Ortsgruppe.

Das knappe, aber deutliche Fazit Rosners: „Bei recht günstigen Randbedingungen für eine attraktive und hauptstraßenferne Radinfrastruktur ist in Strausberg noch viel Luft nach oben in Bezug auf Radverkehr.“ Von einer Verlagerung des Verkehrs auf den Rad- und Fußverkehr hätten indes alle etwas. Auch diejenigen, die nicht auf das Auto verzichten können oder wollen. Damit gewinne die Stadt Wohnqualität und spare so Geld, denn Fahrrad- und Fußgänger-

infrastruktur ist billiger als die für den Kraftfahrzeugverkehr. Ganz abgesehen von den positiven Wirkungen auf Umwelt und Fitness.

Eine signifikante Steigerung des Radverkehrsanteils erfordere eine ebenso signifikante und vor allem durchgängige Verbesserung der Radverkehrsbedingungen. „Wir hoffen auf neuen Schwung für den Strausberger Radverkehr mit der baldigen Veröffentlichung des Radnutzungskonzepts“, schließt Clemens Rosner stellvertretend für Ortsgruppe und Bürger.

Foto: BAB/sd

 

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