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Datum: 21.07.2019
Rubrik: Gesellschaft

Motivation auch durch Dichtungen

Gedenkveranstaltung zum gescheiterten Stauffenberg-Attentat – Anderer Blick auf die Motive

Strausberg (sd). Bereits zum 75. Mal wurde auch in der von-Hardenberg-Kaserne des sogenannten Stauffenberg-Attentats vom 20. Juli 1944 gedacht. Gastredner warfen dabei noch immer neue Blicke auf die Motive und mahnten zur Bedeutung für heutige und künftige Generationen.

„Über Stauffenberg, seine Motive, Hintergründe und Mitwiderständler ist bereits alles gesagt, gedacht und analysiert worden“, heißt es immer wieder. Und dennoch gibt es immer wieder unbekannte Zusammenhänge und Aspekte, die aufgedeckt werden. Zur Einleitung zitierte der Stellvertreter des Standortältesten, Oberst i. G. Ralf Vogel, aus dem Gelöbnis, das in Berlin traditionell Rekruten der Bundeswehr am 20. Juli ablegen. „Es war ein Aufstand des Gewissens, ein Versuch, den verbrecherischen Vernichtungskrieg, der sich zunehmend auch gegen das eigene Volk wandte, zu beenden“, so Ralf Vogel mit der Ergänzung, die Opferzahlen nach jenem 20. Juli seien so hoch, wie nie zuvor gewesen.

„Das Vermächtnis ist noch in Wirksamkeit, die Verpflichtung noch nicht eingelöst“, trug der stellvertretende Standortälteste ein Heuss-Zitat vor, das Brigardegeneral Uwe Nerger, der verhindert war, vorab per Whatsapp geschickt hatte. Seit 1952 wird den Widerstandskämpfern gedacht und inzwischen sei dieses Erinnern auch Teil der deutschen Kultur sowie Symbol für den Widerstand im 20. Jahrhundert im Allgemeinen, so Oberst Vogel weiter. Moralische und ethische Verantwortung, soldatisches Selbstverständnis mit Ehre, Pflicht und Recht hätten zum Widerstand geführt. „Es sind auch heute noch gute Vorbilder mit ihrem mutigen und tapferen Eintreten für Recht und Freiheit. Wir alle sollten nachdenken über das Vermächtnis dieser Tat und ihre Bedeutung für jeden Einzelnen, heute und morgen“, schloss Ralf Vogel.

Als Gastredner warf Oberstleutnant Dr. Christian-Jürgen Bühring einen anderen Blick auf die Motive der Widerstandskämpfer, insbesondere Claus Schenk Graf von Stauffenberg. „Es stellt sich die Frage, warum tut ein Mann so etwas, bei aller Gefahr und Ungewissheit“, leitete Bühring seine Ausführungen zum geistigen Hintergrund ein. So war es vor allem auch die über Jahre hinweg bestehende Beziehung zum Dichter Stefan George und seinen Ansichten, die auch Handeln, Denken und Ideale Stauffenbergs prägten. Nicht zuletzt die überlieferten letzten Worte Stauffenbergs „es lebe das geheime Deutschland“, stellten einen direkten Bezug dar.

Schon 1923 strömten Einflüsse der Dichter und Philosophen auf den damals 16-jährigen Stauffenberg und seinen Bruder ein, besonders immaterielle Werte der griechischen Dichtung. Nach Auffassung Stefan Georges war Stauffenberg ein „ganzer Mensch“ und daher angesehen im sogenannten George-Kreis. Schwerpunkt der wenigen, die diesem Kreis angehörten, wurde zunehmend die Pflege und Entwicklung des deutschen Staates. Diesem stand das Handeln des NS-Regimes zunehmend im Widerspruch. „George hinterließ genügend Zündstoff, der sich auch entlud“, folgerte Dr. Christian-Jürgen Bühring.

Stauffenbergs Werte seien zudem heute wichtiger Bestandteil des Konzepts der neuen Führung der Bundeswehr und fänden sich in vielen Bereichen wieder. Sogar im Artikel 20/4 des Grundgesetz finden sich Nachwirkungen von Stauffenbergs Handeln und dem Widerstand gegen Unrecht. Untätigkeit bringe ebenso Mitschuld, stellte auch Dietrich Bonhoeffer bereits fest. Mit diesem Zitat schloss Bühring seine Ausführungen.

Wohl auch der Samstagvormittag und das sommerliche Wetter bedingten, dass der Teilnehmerkreis der Gedenkveranstaltung recht übersichtlich blieb. Dennoch fanden sich unter den Uniformierten auch immer mehr Zivilisten, die alljährlich herzlich willkommen sind, dem Gedenken beizuwohnen.

Dass Deutschland und Europa vor der endgültigen Katastrophe bewahrt werden sollten, stellte Bürgermeisterin Elke Stadeler fest: „Sie opferten ihr eigenes Leben, da sie eine bessere Zukunft wünschten.“ Der Opfermut jener Widerstandskämpfer sei zugleich Verpflichtung, dem Unrecht entgegenzutreten und das Vermächtnis zu vermitteln.  Sie selbst sei als Schülerin sehr beeindruckt von der Geschichte gewesen und habe noch lange mit Mitschülern diskutiert.

BU: Nach der Gedenkminute ging es für die Besucher noch zu einer aktuellen Ausstellung, die demnächst öffentlich in der Bibliothek der Bundeswehr zugänglich ist.     Foto: BAB/sd

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